2017
Reiseseiten von Leo und Rita

März 2017


01.03.2017, Mexico City, Distrito Federal, Mexiko
Heute wollten wir es nicht ganz so anstrengend machen wie gestern und haben den Turibus genommen. Es gibt mehrere Linien, die man mit einem Ticket den ganzen Tag benutzen kann, aber praktisch geht am späteren Nachmittag gar nichts mehr und der Bus steckt im Stau.
Wir starteten bereits am Vormittag und fuhren mal bis zum "El Museo Nacional de Antropologia" mit. Das Museum gilt als eines der Schönsten auf der ganzen Welt, von den Exponaten wie auch von der Architektur. Es sind archäologische Fundstücke aus ganz Mexiko und allen Perioden vertreten. An einigen der Fundstellen der Exponate waren wir ja selbst und im Nachhinein muss man sagen, dass eine Replik vor Ort mehr Eindruck macht, als das Original im Museum. Im Museum fehlt einfach der Bezug zur Topografie, zur Flora und Fauna. Obwohl, auf die Moskitos bei den Pyramiden im Dschungel könnte man verzichten.
Aber es sind im Museum natürlich alle Top-Exponate zu sehen und wollte man alles sehen, bräuchte man einen Tag.
Nach zwei Stunden fuhren wir weiter durch die wirklich schönen Stadtviertel rund um das Zentrum und beendeten die Tour am Zocalo. Ursprünglich wollten wir mehr sehen, aber zeitlich (Verkehr) war das nicht zu machen. Aber wir haben ja noch ein paar Tage.




02.03.2017, Mexico City, Distrito Federal, Mexiko
Die Ruinenstadt von Teotihuacán ist Weltkulturerbe und gilt als eine der bedeutendsten prähistorischen Stätten Amerikas (vgl. Wikipedia Teotihuacán). Die Stadt wurde bereits um 750 n.Chr. verlassen, lange bevor die Mexica (Azteken) um 1250 Tenochitlán (das heutige Mexiko-City) gründeten.
Man schätzt das Teotihuacán zu seiner Blütezeit 200.000 Einwohner gehabt haben könnte. Warum die Stadt verlassen wurde, ist nicht eindeutig belegbar.
Eindeutig belegbar ist aber der starke Besucherandrang zur Ruinenstadt. Vom Hotel werden Tagesausflüge angeboten zwischen 600 und 900 Pesos (27 - 41 €). Das ist Angesichts der mexikanischen Preise für Verkehrsmittel Wucher. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln haben wir das mit Eintritt für 180 Pesos geschafft.
Ganz zufällig ist neben unserem Hotel eine Metrostation und eine Fahrt in der Metro kostet, egal wo hin und wie lange, 5 Pesos (0,02 € - kein Schreibfehler). Dann, vom Autobusses Norte, gibt es einen direkten Bus zu den "Piramides" (50 Pesos). Der Eintritt kostet 70 Pesos. Ein wenig hat es uns nachdenklich gemacht, dass zur Prävention von Überfällen im Bus (?) an manchen Haltestellen eine Sicherheitskraft eingestiegen ist, zum Teil mit Polizeibegleitung, und alle Fahrgäste mit Video gefilmt hat.
Anscheinend waren wir noch nicht so an die Höhe von Mexiko-City (2.300 m) akklimatisiert, denn der Aufstieg auf die Pyramiden lies uns ganz schön schnaufen. Aber die Ausblicke waren überwältigend, wenn wir auch manchmal an die einsamen Pyramiden im Dschungel dachten, angesichts der vielen Leute hier.
Montezuma, der letzte freie Herrscher Tenochitláns, wurde ja hier getötet. Montezumas Rache nennt man die Reisekrankheit, die einen auf ein stilles Örtchen zwingt. Und das passierte mir heute nach 7 Monaten Mexiko und Zentralamerika, 2 Tage vor unserem Abflug. Aber es war ein moderate Bazille und am nächsten Tag war schon fast alles vorbei.




03.03.2017, Mexico City, Distrito Federal, Mexiko
Diego Rivera war einer der bedeutensten Künstler Mexikos und eines seiner berühmtesten Werke, "Sueno de una tarde dominical en la Alameda Central" (Traum eines Sonntagnachmittags im Alameda Park), ein 15 m breites Wandgemälde ist gleich in der Nähe unseres Hotels beim Alameda Park ausgestellt. Es zeigt Personen der mexikanischen Geschichte aus unterschiedlichen Epochen vereint "am Sonntagnachmittag" im Park. (vgl. Wikipedia Diego Rivera)
Rivera war ja auch mit Frida Kahlo verheiratet, ebenso ein berühmte Malerin, die auch im Bild verewigt ist.
Nicht weit weg ist auch das Museo Franz Mayer, benannt nach einem deutschstämmigen Mexikaner, der ein großer Sammler, hauptsächlich von Möbeln und Silber- und Goldgegenständen, war. In einem ehemaligen Hospital aus dem 16. Jahrhundert sind die Exponate stilvoll präsentiert.




04.03.2017, Mexico City, Distrito Federal, Mexiko
Coyoacán war früher ein selbständiger Ort, 10 km südlich des Zocalo. Heute, längst vom Moloch Mexiko-City geschluckt, ist es ein Stadtteil mit hübschen Kolonialgebäuden, Cafés, Restaurants und Kneipen in der sich viele Künstler und Studenten treffen. Die "Plaza Hidalgo" und der danebenliegende "Jardin del Centenario" waren heute am Samstag ein quirliges Durcheinander von Verkaufsständen, Mariachi-Kapellen, Künstlern und normalen Besuchern.
Unser eigentliches Ziel, die "Casa Azul", lag 600 m nördlich der Plaza Hidalgo und war das langjährige Wohnhaus von Frida Kahlo und ihrem Ehemann Diego Rivera. Allerdings hatten wir nicht damit gerechnet, dass heute am Samstag, viele andere Besucher das gleiche vorhatten. Ein 100 m lange Schlange stand vor dem Eingang.
Wir begnügten uns mit einem viertuellen Rundgang ( Museo Frida Kahlo ). Mehr über das Leben der berühmtesten Malerin Lateinamerikas kann man auch nachlesen bei Wikipedia Frida Kahlo.
Beim Heimweg liefen wir noch vom Zocalo die Fußgängerzone Madero hinauf Richtung unseres Hotels: Wahnsinn was heute am Samstag dort ablief. Endlose Menschenmengen, Straßenkünstler, Marktschreier, Drehorgelspieler usw. Eine Kakophonie von Geräuschen. Man kann es nicht beschreiben.
Wir waren ja nun fast eine Woche in Mexiko (die Mexikaner sagen zur Hauptstadt nur Mexiko - was gemeint ist, die Stadt oder der gesamte Staat, ist aus dem Kontext zu entnehmen). Die Temperaturen bewegten sich so zwischen 18° und 28°. Wir hatten die ganze Zeit nur Shorts, T-Shirts und Sandalen an, während die Mexikaner sich wie bei uns im März angezogen haben. Zu unserem Flug Morgen werden wir nach vielen Monaten mal wieder lange Hosen anziehen.




05.03.2017, Miami, Florida, USA
Problemlos war heute unsere Anreise nach Miami. Auch die Horror-Geschichten von langen Wartezeiten an der US-Immigration haben sich nicht bewahrheitet. Der Officer war quasi schon "informiert" dass wir zur AIDAvita wollten: "All Germans today make a cruise with the AIDAvita".
Da wohl die Passagiere über den Tag verteilt anreisen, gab es beim Einchecken auf dei AIDA keine Verzögerungen. Die AIDAvita gehört ja mit 633 Kabinen auch zu den kleineren Kreuzfahrtschiffen (neue große Kreuzfahrtschiffe können drei- bis viertausend Passagiere aufnehmen).
Auf jeden Fall waren wir nach dem Einchecken in Deutschland gelandet wo wir dann beim Abendessen es voll ausgekostet haben, "gewohnte" Speisen zu haben. Und selbstgezapftes Bier vom Fass. Überhaupt war alles völlig entspannt und ohne irgendein Gedränge am Buffet.
Einzig mit dem Wetter in Miami waren wir nicht einverstanden. Zwar waren es anscheinend so 24 Grad, aber eine steife Brise vom Meer machte den Pool nicht einladend. Im Gegenteil, die Zeit bis zum Abendessen haben wir in der angenehmen Sauna verbracht.


06.03.2017, Miami, Florida, USA
Mitreisende, die die letzten zwei Monate in Florida verbracht hatten, haben erzählt, dass das Wetter in der Zeit nie so schlecht gewesen sei wie aktuell. Trotzdem schien die Sonne am Vormittag eine Weile und so konnten wir, nachdem Rita noch eine Stunde im Fitness-Studio war, den Whirlpool am Pooldeck benutzen. Aber das war nur ein kurzes Sonnenintermezzo und am Nachmittag bevorzugten wir wieder die Sauna, die nun, viele hatten wohl bemerkt dass das Wetter nicht zum Baden im Freien taugte, merklich voller war.
Um 17:00 Uhr war Seenotrettungsübung bei der die Anwesenheit abgehakt wurde. Dann ging es Schlag auf Schlag weiter: Begrüßungssekt, kurze Show, Feuerwerk, Auslaufen, Abendessen und Absacker in einer der Bars mit Livemusik. Dazwischen hatte sich Rita ausgeklinkt, weil ihr irgendwas auf den Magen geschlagen war. Aber das hatte sie wohl schon gestern von Mexiko mitgebracht.
Nachts wiegte uns spürbarer Seegang in den Schlaf und bei unserer Ankunft in Port Canaveral (bei Cape Kennedy) erzählte der Kapitän etwas von unerwartetem Sturm mit Windstärke 8.


07.03.2017, Port Canaveral, Florida, USA
Heute klappte es doch noch mit dem Florida Wetter und dem Sonnenbad stand nichts im Wege. Erst ab heute begann das volle Programm auf der AIDAvita. So stellten sich nach dem Abendessen die Offiziere vor und danach war die erste Show mit Gesang und Tanz.
Wir haben schon gemerkt, dass man mit dem Essen diszipliniert sein muss. Ab 6 Uhr gibt es bis 24 Uhr pausenlos was zu essen. Außer den Hauptmahlzeiten ist nämlich eine Pizzastation und eine Hamburgerstation (auch vegetarische) fast durchgehend geöffenet. Nur von 11 Uhr bis 12:30 Uhr klafft essenstechnisch eine Lücke.
Als Ausgleich für das reichliche Nahrungsangebot ist das Fitnessstudio rund um die Uhr auf.
Am Abend haben wir Amerika dann verlassen und das Schiff hat Kurs Bermudas genommen, wo wir in 3 Tagen eintreffen werden.



08.03.2017, Bermuda Dreieck, Atlantik
Der erste Seetag. Die Sonne schien prächtig vom Himmel und erstaunlicherweise konnte man trotz Fahrtwind ziemlich windstille Ecken erwischen. So lagen quasi den Tag über die meisten Passagiere auf Liegestühlen auf dem Sonnendeck.
Hatte ich gestern noch von einer essenstechnischen Lücke zwischen 11 und 12:30 Uhr geschrieben, wurde diese heute durch eine "Bye Bye America"-Aktion geschlossen: Hamburger und Bier.
Auch für die geistige Nahrung ist gesorgt: Eine Meeresbiologin aus Rostock hält täglich (an den Seetagen) um 11 Uhr einen Vortrag mit Themen aus ihrem Wissensgebiet. Sehr interessant. Weniger wissenschaftlich ist eine Astrologin, die man für individuelle Vorhersagen buchen kann.
Pseudowissentschaftlich ging es dann bei der Abendshow zu. Der angeblich europabekannte Mentalist Harry Sher verblüffte uns durch Kunststücke die man nur durch Telepathie erklären könnte, wenn man nicht genau wüßte dass dieses "Gedankenlesen" auf genaues Auslesen von Gestik, Mimik, Suggestion usw. oder gar technischer Hilfsmittel beruhen würde. Auf jeden Fall war es eine beeindruckende Vorstellung.



09.03.2017, Bermuda Dreieck, Atlantik
War gestern noch ein wenig Seegang (immerhin musste der Hauptpool abgelassen werden, weil er ständig überschwappte) so war die See heute ruhig. In der Weite des Atlantiks war gestern kein Schiff zu sehen, aber heute begleitete uns ein Containerschiff für ein paar Stunden.
Heute war auch die erste Zeitzonenanpassung und wir sind Deutschland eine Zeitzone nähergerückt (jetzt -5) auf unserer fast 10.000 km Heimreise.
Tropengestählt empfinden wir es nun auch deutlich kühler. Wir sind ja auch schon auf 31° nördlicher Breite (Riviera Maya 20°, nördl. Wendekreis 23°, Deutschland ca. 47°) angekommen. Die Party auf dem Pooldeck endete auch bald, weil es anfing zu regnen. Aber in einer der Bars im Schiff ist immer was los.
Ach ja, eine Stunde unterhielt uns der Kabarettist Manes Meckenstock (bekannt aus Film und Fernsehen??) mit deftigen Sprüchen aus seiner rheinischen Heimat.



10.03.2017, Hamilton, Bermudas
Hamilton begrüßte uns mit Nieselregen und 20° Celsius und es war gar nichts von subtropischen Urlaubsparadies zu spüren. Die Bermudas sind britische Kronkolonie und so haben wir politisch bereits Europa betreten.
Hamilton ist kein so architektonisches Highlight und auch das Weltkulturerbe-Städtchen St. George, 20 km weg von Hamilton, wir sind mit dem öffentlichen Bus gefahren, hat uns auch nicht vom Hocker gerissen.
Die Bermudas waren wie erwartet ein teures Pflaster (Pint Bier 10 US$) und so gingen wir bald wieder an Bord (Landgang-Ende war eh 15:30 Uhr) und verpflegten uns dort.
Wir sind jetzt fast eine Woche an Bord und haben uns eingewöhnt: Wann ist die günstigste Zeit zum Essen ohne Andrang und so. Apropo Essen, neulich habe ich geschrieben, mann muss diszipliniert sein um den angebotenen Delikatessen zu widerstehen. Aber das fällt ziemlich schwer. Insbesondere gibt es täglich ein Angebot von vollreifen Camemberts, dazu frischgebackenes Brot, dass hatten wir ein Jahr lang vermisst.
Beim Auslaufen hatte uns der Kapitän gröbere See angekündigt. Windstärke 7-8. Der Kurs der AIDAvita sei deshalb schon auf eine südlichere Route zu den Azoren festgelegt worden. Aber bis dahin liegen noch vier Seetage und 3.600 km vor uns.



11.03.2017, irgendwo auf dem Atlantik zwischen Bermudas und Azoren
Die Zeit der Seetage nutze ich mal für ein paar Informationen über die AIDAvita: Die Besatzung, 410 Leute, kommt aus über 40 Nationen. Die meisten Nichtdeutschen sprechen aber soviel Deutsch, dass es keine Probleme mit der Sprache gibt. Alle sind außerordentlich freundlich (gut geschult!) und der Service ist sehr gut.
So werden zum Beispiel die Buffets während der ganzen Essenszeit laufend aufgefüllt, so dass auch ein späterer Gast alles angeboten bekommt. Tischweine und Mineralwasser werden ebenfalls ständig nachgefüllt (Karaffen am Tisch) und Bier kann man sich selber zapfen (Pils).
Die Schiffsdiesel treiben Generatoren an die bis zu 40 Megawatt Strom erzeugen können. Elektromotoren treiben dann die Schiffsschrauben an, die bei Fahrt natürlich den meisten Strom benötigen. Eine Meerwasseraufbereitungsanlage kann bis zu 800.000 Liter Wasser am Tag liefern, durchschnittlich sind es wohl so 450.000 Liter, die verbraucht werden.
Es gibt jeden Tag ein vielfältiges Unterhaltungs- und Sportprogramm. Hier exemplarisch das heutige (PDF).

Was inzwischen mit unserem LKW'le passiert, steht in diesem Exkurs.



12.03.2017, irgendwo auf dem Atlantik zwischen Bermudas und Azoren
Auf der AIDAvita wird auf der Reise zwischen Hafentagen und Seetagen unterschieden. Wir haben heute den 4. Seetag (von bisher insgesamt 7 Tagen auf der AIDAvita) und seit Miami schon dreimal die Uhren um jeweils eine Stunde vorgestellt.
Die vom Kapitän angekündigte gröbere See ist nicht eingetroffen und das Schiff läuft ruhig mit 19 Kn (35 km/h) nach Ost-Nord-Ost.



13.03.2017, irgendwo auf dem Atlantik zwischen Bermudas und Azoren
Heute wurde auf der AIDAvita Bergfest gefeiert. Seemeilenmäßig haben wir die halbe Strecke nach Hamburg geschafft.
Wir hatten ja erwartet, dass man auf dem Atlantik viele Schiffe sehen kann, aber seit den Bermudas vor 3 Tagen haben wir kein anderes Schiff in unseren Gewässern mehr sehen können.
Das Highlight des Tages war das Karaoke in der Nightfly-Bar mit zum Teil fast professionellen Auftritten.



14.03.2017, irgendwo auf dem Atlantik zwischen Bermudas und Azoren
"Fitnesstag" lautete das Motto dieses Dientags. Rita schleppte mich zum Zirkeltraining was mich ziemlich fertig machte. Wir haben ja auch ein Schlafdefizit, weil die letzten Nächte immer eine Stunde die Zeit nach vorne gestellt wurde. Die Azoren, unser morgiges Ziel, liegen dann nur noch zwei Stunden von daheim zurück.
Erholt habe ich mich dann bei diversen Vorträgen über dieses Thema.
Abends teilte der Kapitän mit, dass wegen eines medizinischen Notfalls die AIDAvita nun mit allem läuft, was die Maschinen hergeben. Statt 16 kn nun 20 kn (29 km/h - 36 km/h). Das wirkt sich auf die Ankunftszeit nur um zwei Stunden früher aus.



15.03.2017, Ponta Delgada, Azoren
Die Azoren begrüßten uns am frühen Morgen mit einem veritablen Azorenhoch. Wir sind wieder in Europa. Die Azoren gehören zu Portugal und demzufolge kann man hier auch mit EURO bezahlen.
Ponta Delgada ist ein schmuckes Hafenstädtchen mit südländischem Flair. Das einzige negative ist der extreme Autoverkehr in den schmalen Straßen aus dem 16. Jahrhundert.
Abends präsentierten uns die Offiziere der AIDAvita noch Shanties in der AIDA-Bar, die zur Haifischbar mutiert war. Die Bedienungen und alles andere Personal hatten sich St.Pauli-mäßig kostümiert.



16.03.2017, Auf dem Atlantik zwischen Azoren und Spanien
Vormittags, es war ja der 7. Seetag, gab es eine informative Veranstaltung: Der Kapitän und einige Offiziere plauderten über die Technik des Schiffes, die Navigation und ähnliches. Man konnte Fragen stellen und so wissen wir jetzt, dass wir auch eine Kläranlage an Bord haben.
Wir haben nun alles was wir noch an Wintersachen haben, herausgekramt. Die Temperaturen sind nur noch bei 15 Grad und mit dem Sturm (Windstärke 8) ist es gefühlt saukalt.
In der Sauna auf Deck 11 wurde heute geschunkelt, nicht weil wieder Shanties gesungen wurden, sondern dort oben schaukelt es am heftigsten. Aber die Schaukelbewegungen (rollen) sind anscheinend nicht so seekrankheitsfördernd wie stampfen, also wenn es auf und ab geht. Auf jeden Fall haben wir noch nicht bemerkt, dass jemand seekrank wurde, aber da bleibt man ja auch auf der Kabine.
So alle zwei Abende machen die AIDA-Stars, also die Gesangs- und Tanzgruppe, eine Show. Heute wurde der legendäre Cotton-Club aus dem New York der zwanziger Jahre wiederbelebt.



17.03.2017, Auf dem Atlantik zwischen Azoren und Spanien
Bei Windstärke 10 waren heute Teile der vorderen Decks gesperrt. Erstaunlicherweise lag die AIDAvita aber relativ stabil im Wasser, so dass es anscheinend niemandem was ausmachte.
Die Zeit war mal wieder umgestellt worden und wir sind jetzt mit der spanischen Zeit (auch mit der deutschen Zeit) konform. Wenn wir in ein paar Tagen England erreichen gehts wieder eine Stunde rückwärts.


 



18.03.2017, La Coruna
Bei Tagesanbruch haben wir bereits in "A Coruna" angelegt, aber da haben wir noch geschlafen. Beim Frühstück haben wir dann A Coruna gesehen. A Caruna hat 250.000 Einwohner und liegt in Galizien. Bei uns bekannter ist der Name "La Coruna", dies ist der spanische Name für die Stadt. 60 km südlich liegt Santiago de Compostela, das Ziel aller Jakobspilger.
Auf dem Anlegekai standen mehrere Sattelzüge, die aus Deutschland Nachschub für die AIDAvita brachten. Insbesondere eine Menge Bierfässer.
Die Stadt selber hat eine typische Architektur: verglaste Fronten, wie schmale Wintergärten, sollen es den Bewohnern ermöglichen, auch bei heftigem Wind die Aussicht zu genießen.
Und heftiger Wind pfiff auch durch die Straßen und nur an geschützten Stellen saßen die Leute in Cafes und genoßen die Frühlingssonne. So blieb auch unser Landspaziergang auf die nahe Umgebung beschränkt.
Pünktlich um 19:00 Uhr sind wir ausgelaufen.



19.03.2017, Golf von Biscaya
Zwei Tage waren wir zeitmäßig mit Deutschland gleich. Letzte Nacht wurde die Bordzeit wieder zurückgestellt um eine Stunde. England ruft.
Die Biscaya, die wir heute durchquerten, entpuppte sich besser als ihr Ruf. Windstärke 3.

Nachdem gefühlt die halbe AIDAvita erkältet ist, hat sich Rita entschloßen denen gleichzutun. Fast zwei Jahre nicht unter vielen Menschen haben halt die Abwehrkräfte erlahmen lassen.
Um Infektionen zu verhindern stehen auf der AIDA vor den Restaurants und am Schiffseingang (wenn Landgang war) Hände-Desinfektions-Stationen, die auch nach meiner Beobachtung von allen benutzt werden. Aber das schützt natürlich nicht vor Annießen im Aufzug.



20.03.2017, Falmouth, Cornwall, England
"Eigentlich ist Cornwall nicht wirklich England. Das fast schon mediterrane Klima will so überhaupt nicht zum allgemeinen Schmuddelwetter der Insel passen. Vielmehr kann man sich an den Küsten im südlichen Königreich wunderbar am Strand sonnen ....". So stand es in unserer Hafeninformation.
Jedenfalls für heute war das die Übertreibung des Jahres: Sturm, Nieselregen und kaum 10 Grad haben uns erwartet. Aber am Nachmittag lockerten sich die Wolken auf und dem Landgang stand nichts mehr im Wege.
Falmouth ist ein Tiefwasser-Naturhafen, der drittgrößte der Welt. Die rührige Tourist Information versorgte einen gleich auf dem Pier mit deutschsprachigen Stadtinformationen.



21.03.2017, Saint Peter Port, Guernsey
Der Hafen von Saint Peter Port auf der Kanalinsel Guensey ist zu flach für die AIDAvita. Wir ankerten deshalb, das einzigemal auf dieser Reise, auf Reede. Den ganzen Tag fuhren Tenderboote vom Schiff zum Hafen.
Als einer der schönsten Hafenstädte Europas wurde Saint Peter Port in einem der uns überlassenen Informationsschreiben bezeichnet. Da kann ich nicht ganz zustimmen. Es hat schon einen gewissen Flair, aber die Architektur ist doch ein wildes Mischmasch aus den verschiedensten Zeitepochen.
Egal, man konnte sich die Füße an Land vertreten, wenn auch an jeder Ecke Mitreisende standen.
Was inzwischen mit unserem LKW'le passiert, steht in diesem Exkurs.



22.03.2017, Ärmelkanal
Wir sollten um 9:30 Uhr in Dover anlegen. Hier konnten Tagesausflüge nach London und zu Gärten und Schlössern im Südosten Englands unternommen werden.
Aus Sicherheitsgründen, es herrschte Windstärke 7-8, legte der Kapitän aber nicht an, unter anderem auch, weil die dafür notwendige Schlepperunterstützung nicht verfügbar war.
Nachdem wir 2 Stunden vor Dover gekreist haben, wurde ein neues Ziel ausgegeben: Ijmuiden/Niederlande. Der Hafen liegt nicht weit weg von Amsterdam und so wurden für den nächsten Tag Ausflüge dahin angeboten. Allerdings sollen schon um 13:00 Uhr die Taue wider gelöst, damit wir rechtzeitig in Hamburg ankommen (am 24.03.).
Zu den Bildern: Dover liegt schon zum Greifen nah. Da wir erst am späten Abend in Ijmuiden ankamen, konnten wir den enormen nächtlichen Schiffsverkehr auf dem Ärmelkanal verfolgen. Was für ein Unterschied zu den endlosen Weiten des Atlantiks wo wir tagelang keine anderen Schiffe gesehen haben.



23.03.2017, Ijmuiden und Nordsee
Bei strahlend blauem Himmel haben wir pünktlich um 13 Uhr Ijmuiden verlassen und die letzten 500 km bis Hamburg angepackt. Vorbei an vielen Off-Shore Windparks fuhren wir immer Richtung Nordosten und werden heute Nacht um 02:00 Uhr den ersten Lotsen an Bord nehmen, der uns die Elbe hinauf führt. Kurz vor dem Hafen wird uns dann ein Hafenlotse zum Liegeplatz begleiten.



24.03.2017, Hamburg, Deutschland
Das Timing für Hamburg war insofern schlecht, weil wir die Fahrt auf der Elbe noch in der Nacht machten. Als wir bei Sonnenaufgang an Deck gingen, waren wir bereits fast am Anleger.
Hamburg begrüßte uns mit Kaiserwetter und das Auschecken war einfach. Warum der Zoll uns zur Gepäckköntrolle ausgesucht hatte, war uns nicht klar: Bei uns war nichts zu holen.
Wir waren wieder in Deutschland



Als Kreuzfahrtneulinge würden wir unsere Erfahrungen wie folgt schildern:
Die meisten Passagiere sind wohl, wie wir aus vielen Gesprächen herausgehört haben, Vielfahrer mit der AIDA. Es gibt im Moment ja 11 AIDA Schiffe. So erzählen sich die Leute Geschichten aus aller Welt mit der AIDA.

Unsere Art des Reisens ist das sicher nicht, hat doch ein Passagier erzählt, dass bei der Miami Stadtbesichtigung mit dem Bus nur aus dem Fenster fotografiert werden konnte, weil der Bus nirgendwo anhielt. Man ist ja quasi ständig in Deutschland und macht kurze Landausflüge zu touristischen Highlights ohne näheren Kontakt mit dem Land und den Leuten zu bekommen.

Was aber schön ist, ist der Service auf der AIDA. Das Essen ist gut, auch Vegetarier wie wir haben eine überreiche Auswahl. Die AIDA ist ja ein Clubschiff, das heißt, es gibt keine festen Plätze und Zeiten zum Essen und keine Kleidervorschriften. Ja, und auch kein Captains-Dinner mit Sternenfunken.

Im All-Inclusive ist auch die Benutzung der Fitnessgeräte, der Whirlpools, des Pools und der Sauna eingeschlossen. Nur besondere Fitnesskurse oder Massagen kosten extra Geld. Extra Geld kosten auch die alkoholischen Getränke außerhalb der Essenszeiten in den Bars. Aber die Preise entsprechen denen in einer deutschen Großstadt. Auch das abendliche Show- und Unterhaltungsprogramm ist vielfältig. Nicht jeder Kabarettist ist wirklich witzig, aber die Musikshows sind in der Regel sehr unterhaltend gewesen.

Das Schiff ist in hervorragendem Zustand, ständig sieht man Mitarbeiter beim Putzen und Polieren. Auch sind die Kabinen geschmackvoll und zweckmäßig eingerichtet. Der einzige Nachteil ist, dass man, außer natürlich in der eigenen Kabine, ständig von hunderten anderen Mitreisenden umgeben ist. Man kann den Andrang zum Essen ein bisschen mildern, wenn man sich azyklisch verhält, also nicht zu Beginn der Essenszeiten ins jeweilige Restaurant geht. Das hilft aber nichts auf den Sonnendecks, wenn an einem schönen Seetag alle auf eine Liege wollen. Da kommt auch wieder der deutsche Urinstinkt zum Tragen: Möglichst bald eine Liege mit dem Handtuch reservieren. Das Preis-Leistungsverhältnis für die AIDAvita war in Ordnung. Betrachtet man die Preise für Landausflüge und kostenpflichtige Kurse, so finden wir diese überteuert. Aber man muss diese ja nicht buchen und es gibt auch eine Vielzahl von zusatzkostenfreien Aktivitäten.

Wenn wir mit unserem Wohnmobil durch die Lande gondeln, "erfahren" wir im wahrsten Sinne des Wortes das Land. Die Weite, die Topographie, das Klima, die Bewirtschaftung und die Menschen. Fliegt man in ein fernes Land, kann man sich die zurückgelegten Entfernungen nicht richtig vorstellen. Aber bei der Überquerung des Ozeans in einem Schiff bekommt man ein Gefühl für die gewaltige Größe der Ozeane (immerhin 70 % der Erdoberfläche sind Ozean). Insofern war die Rückreise eine Fortsetzung des Reisens mit dem Wohnmobil. Wenn auch bei All-Inclusive.

Was inzwischen mit unserem LKW'le passierte, steht in diesem Exkurs.








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