2017
Reiseseiten von Leo und Rita

Oktober 2017


01.10.2017, Kuqa, Xinjiang, China
Vom Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China (01.09.1949) haben wir heute insofern was mitbekommen, da wir auf der Fahrt durch die Takelamagan-Wüste hunderte von Reisebussen mit chinesischen Arbeitern überholen mussten. Von den über 600 km waren so 500 km reine Sandwüste und im Wohnmobil war gefühlt mindestens eine halbe Tonne Sand.
Die Straße führte ohne Abzweig durch die Wüste, Polizeikontrollstellen waren trotzdem. Was heute gut war: Wegen der Feierlichkeiten zum Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China ist auch die Maut in ganz China für sieben Tage ausgesetzt. Gestern hatten wir noch so 100 Yuan (13 €) bezahlt. Problem bei unserem LKWle war nur, den Bediensten zu erklären, dass wir kein LKW mit Waren sind (die müssen trotzdem zahlen) , sondern ein Wohnmobil.
Auch heute kamen wir bis zum Zielort wieder in die Dunkelheit, was nicht lustig ist, weil auf den Straßen sehr viele unbeleuchtete Objekte (Fußgänger, Fahrräder, Eselskarren, Lastmopeds und auch Autos) unterwegs sind. Alles ging aber gut und neben dem Hotelparkplatz (wir durften gottseidank in den eigenen Wohnmobilen schlafen) waren auch noch ein paar Läden offen um einzukaufen.
Noch ein paar Worte zum Reisen in China: Wir benötigen einen Guide (wir haben gleich zwei, weil so viel zu organisiern ist). Die Route muss eingereicht werden und nach Genehmigung muss man auch so fahren wie genehmigt. Es können Auflagen, wie zum Beispiel dass man an manchen Orten in Hotels übernachten muss, vorliegen.

km 625 (9.076) , N 41.71201° , O 83.01367°




02.10.2017, Kuqa, Xinjiang, China
Wir sind heute in Kuqa geblieben zur Erholung von zwei anstrengenden Fahrtagen. Auch die Fahrzeuge mussten sich von der Wüstenetappe erholen bzw. mussten gewartet werden: Luftfilter ausblasen und mit dem Staubsauger die Innenräume vom Staub befreien.
Nachmittags sind wir mit dem Bus zu einem großen Supermarkt in der Innenstadt gefahren um einen Teil unserer Vorräte zu ergänzen. In China gibt es normalerweise keine Supermärkte an der Peripheri mit Parkplätzen, sondern in den Innenstädten ohne Parkmöglichkeiten.
Gewöhnungsbedürftig war die Frischwarenabteilung wo die Mitarbeiter an den einzelenen Tischen und Regalen lauthals ihre Waren anpriesen wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Das war für uns Stress pur.



03.10.2017, Bosten See, Xinjiang, China
Der Bosten See ist mit 55 km Länge und 25 km Breite einer der größten Süßwasserseen Chinas. Er liegt in einer wüstenartigen Landschaft und die Ufer sind kahl. Allzuviel Naturschönheit konnten wir ihm nicht abgewinnen und unterm Strich lohnte sich die Anfahrt nicht, weil es die letzten 20 km über eine schlechte Piste ging. Der Sandsturm machte die gestern mühsam vom Sande befreiten Wohnmobile wieder zu Sandbüchsen.
Dabei hatte der Tag auf einer superschönen Autobahn über 300 km begonnen. Dann kam noch schöne Landstraße dazu, aber dann: siehe oben.
Die Polizeikontrollen heute waren weniger und die Maut kostete ja in diesen Tagen (1. - 7.10)nichts.

km 363 (9.449) , N 41.90152° , O 87.00035°




04.10.2017, Turpan, Xinjiang, China
Die heutige Fahrt nach Turpan verlief im Großen und Ganzen problemlos. An die Diskussion mit den Mautstation-Leuten ("wir sind kein kommerzieller LKW") und die Polizeikontrollen (nur einmal aussteigen und Pass scannen) haben wir uns inzwischen gewöhnt.
Turpan gilt als eine der heißesten Städte Chinas mit im Sommer fast 50 Grad. Aber im Winter kannn es auch mal -20 Grad geben. Das liegt an dem Wüstenklima und deshalb fallen auch nur so 15 mm Regen im Jahr. Dass Turpan auch die Rosinenhauptstadt von China ist, liegt daran, dass ein ausgekügeltes Bewässerungssystem das Wasser von den Bergen im Norden (über 5.000 m hoch) in die Stadt und die Umgebung leitet.
Unsere ganze Route in China bisher bewegt sich auch auf den Hauptwegen der Seidenstrasse und so war auch Turpan eine wichtige Zwischenetappe der Seidenstraße.
Interessant ist auch: Turpan liegt am Nordostrand der Wüste Gobi und das Turpan-Becken (-154 m Meereshöhe) ist nach dem Toten Meer die zweittiefste Depression der Erde. Es liegt etwas südliche der Stadt Turpan.

km 390 (9.930) , N 42.94732° , O 89.13981°




05.10.2017, Turpan, Xinjiang, China
Heute haben wir ein paar Besichtigungen in Turpan gemacht:
Zuerst die Ruinenstadt Jiaohe, die bereits im 15. Jahrhundert zerstört wurde, dann Teile des Bewässerungssystems und zuletzt eine Moschee, deren Alleinstellungsmerkmal in ganz China das pagodenartige Minarett ist.
Viel Interesse findet der regelmäßige Besuch eines Supermarktes, wo wir uns dann wieder für ein paar Tage mit Lebensmitteln eindecken können. Milchprodukte sucht man aber vergeblich.
Auch die Bargeldversorgung ist immer spannend weil nicht jeder Automat mit der Visa-Card Geld ausspuckt. Aber irgendwann klappt es dann.



06.10.2017, Hami, Xinjiang, China
Hami ist nun die Melonen-Hauptstadt Chinas. In der Tat war die Honigmelone, am Autobahnparkplatz gekauft, ein Gedicht. Saftig und süß.
Die Fahrt hierher verlief ohne Probleme, bis auf übereifrige Polizisten, die 20 Minuten unsere Pässe prüften.
Wir sind ja immer noch in der Provinz Xinjiang, die wir aber morgen verlassen werden. Dann soll es mit den Polizeikontrollen auch besser werden und auch der Mobilfunk soll einigermaßen funktionieren (statt 3G dann 4G oder 5G). Wir werden sehen.
Irgendwann soll auch dann die Landschaft schöner sein, nicht nur überwiegend Wüste und Staub.

km 396 (10.326) , N 42.82819° , O 93.51506°




07.10.2017, Dunhuang, Gansu, China
Unter Wüste stellen wir uns immer grelle Sonne, Sand und Hitze vor. Aber heute zeigt uns die Wüste Gobi ein anderes Gesicht. Bis zur Grenze zur Provinz Gansu stieg die Autobahn bis auf über 1.800 m an und dabei fiel die Temperatur unter den Gefrierpunkt. Es schneite leicht und heftiger Gegenwind bremste uns auf nur noch 60 km/h herunter.
Es gab an der Grenze noch eine Polizeikontrolle wo wir aussteigen mussten, dann waren wir in der Provinz Gansu. Tatsächlich funktionierte der Mobilfunk besser und auch in der Stadt Dunhuang war die Polizei nicht mehr allgegenwärtig. Unser Hotel war nicht mehr mit Stacheldraht umgeben und Zugang zur Lobby war ohne Sicherheitskontrolle. Hotels nutzen wir deshalb, weil keine Camping-Infrastruktur vorhanden ist und dort meist Strom und Wasser zur Verfügung stehen. Hotelzimmer mussten wir behördenseitig nur in Kashgar und Hotan in Anspruch nehmen.
Dunhuang war auf der Seidenstraße ein wichtiger Knotenpunkt. Richtung Westen teilte sie sich hier in einen nördlichen und südlichen Strang (nördlich und südlich der Wüsten Takelamagan und Gobi). Im klassischen China lag es im äußertsten Nordwesten und deshalb endete auch die Chinesische Mauer hier in der Gegend.


km 396 (10.722) , N 40.14242° , O 94.64678°




08.10.2017, Dunhuang, Gansu, China
Heute ist Dunhuang ein Tourismuszentrum ersten Ranges in China. Dies darum, weil die Mogao-Grotten (sind natürlich wieder Weltkulturerbe) ein sehr beliebtes Reiseziel für die Chinesen darstellen.
Die Mogao-Grotten sind ein System von hunderten Höhlentempeln, die buddhistische Mönche zwischen dem 4. Jahrhundert und dem 12. Jahrhundert aus dem Sandsteinfelsen 25 km nördlich von Dunhuang geschlagen haben.
Täglich sind nur (!) 6.000 Besucher zugelassen und die Tickets müssen im Voraus bestellt werden. Man bekommt eine Uhrzeit zugewiesen und vom Besucherzentrum fährt man mit dem Shuttlebus zu den Grotten.
Dunhuangs Bedeutung ging ja mit dem Ende der Seidenstraße im 16. Jahrhundert (Entdeckung des Seewegs nach Indien) verloren und auch die Grotten gerieten bis ins 19. Jahrhundert in Vergessenheit.
Fotografieren ist in den Grotten verboten und beschreiben ist sehr schwierig. Auf jeden Fall haben uns diese Höhlentempel sehr beeindruckt und 6.000 Chinesen täglich können sich nicht irren.



09.10.2017, Chinesische Mauer bei Jiayuguan, Gansu, China
Auf wirklich sehr guten Autobahnen fuhren wir weiter Richtung Süden. Heute waren die Festlichkeiten zum Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China nun vorbei und wir mussten darum wieder Maut zahlen: so für 350 km rund 15,50 €.
Entlang der Autobahn befand sich eine neue Landstraße und eine Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke neben der alten Bahnstrecke. Hochspannungsmasten führten die Energie der abertausenden Windräder in der Wüste gegen Süden. Die Infrastruktur in China ist top. Vielleicht haben sie keinen Juchtenkäfer.
Gestern hatte es sich schon angedeutet: Wir haben einen vorzeitigen Wintereinbruch und so bewegte sich die heutige Tagestemperatur nur wenig über den Gefrierpunkt. Das hat nun Folgen, weil wir unsere geplante Route für die nächsten Tage (die sollte über die Berge des Vorhimalaya mit Höhen über 4.000 m nach Xining führen) nicht einhalten können und quasi nun im Tal dorthin fahren. Das alles muss natürlich mit den Behörden auch abgestimmt sein.
Aber zunächst hatten wir auch für heute ein Programm: Das Fort Guan ist die westlichste Festung der Großen Mauer und war damals das Tor zum Westen. Jeglicher Verkehr von und nach Westen musste hier durch. Trotz des kalten Wetters und des Montags waren sehr viele chinesische Besucher in der Festung.
Ein paar km weiter war noch eine sehr gut erhaltenes Stück der Großen Mauer, wo wir für die Nacht parkten und natürlich auch ein schönes Stück steil bergauf auf der Mauer zurücklegten. Es ist sehr eindrucksvoll wie die Mauer ohne Rücksicht auf die Topografie sich über die Berge windet.
Fahrzeugtechnisch haben wir mit immer mehr Ausfällen zu kämpfen. Toni und Marthi Wohnmobil ist längst nach Xining (noch fast 1.000 km weiter wie unser heutiger Stanort) transportiert worden und wartet dort auf die Ersatzteile aus Deutschland, währenddessen die Beiden mit unserer Gruppe mitfahren. Mannis Anlasser soll auch bald geliefert werden und sein Fahrzeug wird täglich mehrmals angeschleppt. Inzwischen ist auch das Fahrzeug unserer Tourguide-Mannschaft ausgefallen und wird morgen mit einem Autotransporter ebenfalls nach Xining transportiert.

km 357 (11.079) , N 39.85297° , O 98.17411°




10.10.2017, Yongchang, Gansu, China
Nach einer bitterkalten Nacht schien heute die Sonne wieder. Aber in 1.800 - 2.500 m Höhe, wo wir uns heute bewegten, stieg die Temperatur nur knapp über den Gefrierpunkt.
Durch eine grandiose Bergwelt fuhren wir weiter Richtung Süden und unser heutiges Ziel war auf guter Autobahn (18 € Maut) nach 5 Stunden erreicht. Der erste chinesische Campingplatz, der von der Stadt Yongchang betrieben wird, erfüllte alle Ansprüche.
Noch eine Weile in der Sonne sitzen, das wars für heute.

km 387 (11.466) , N 38.25414° , O 101.97727°




11.10.2017, Lanzhou, Gansu, China
Heute morgen haben wir zuerst die beim Campingplatz in Yongchang gelegene Tempelanlage besichtigt. Dann gings wieder auf die Autobahn nach Lanzhou, der Provinzhauptstadt von Gansu. Lanzhou hat 4 Millionen Einwohner und dementsprechend viel Verkehr. Auch in China kommt der Straßenausbau in den Städten nicht nach. Aber sehr wohl in der Fläche.
Unsere erste Millionenstadt in China, unser Navi lotste uns voll durch, war schon beeindruckend. Wolkenkratzersiedlung an Wolkenkratzersiedlung. Aber wohlbehalten gelangten alle zum Hotelparkplatz (es soll laut behördlich akzeptiertem Plan unsere letzte Übernachtung auf einem Hotelparkplatz sein).
Die Maut betrug heute 27 €.

km 331 (11.797) , N 36.10372° , O 103.63229°




12.10.2017, Xining, Qinghai, China
In der Provinz Qinghai leben 6 Mio. Einwohner: 54 % Han-Chinesen (also die "eigentlichen" Chinesen), aber auch 21 % Tibeter und 16 % Hui (Moslems). Und der Rest setzt sich aus weiteren verschiedenen Ethnien zusammen. Obwohl wir Tibet nicht bereisen (dürfen), werden wir doch nun in den nächsten Tagen ein Stück Tibet kennenlernen. Tibet war früher, also das Gebiet wo die Tibeter wohnen, viel größer als die heutige Provinz Tibet. Es war aber politisch nicht gewollt, daß dieses gesamte Gebiet eine Provinz bilden sollte (es wäre die größte chinesiche Provinz) und so wurden Teile den Provinzen Quinhai und Sichuan zugeschlagen.
Aber der Reihe nach: Wir haben Lanzhou verlassen und sind auf der Autobahn nach Xining gefahren, der Hauptstadt der Provinz Qinghai, die bald nach Lanzhou begann. Hier ist China so, wie wir es uns ein bisschen vorgestellt haben: Kleine landwirschaftlich intensiv genutzte Parzellen und kleine Dörfer. Was wir uns nicht vorgestellt haben und schon die letzten Tage erlebt haben sind diese gewaltigen Städte (obwohl noch klein für China) mit ihren tausenden von Wolkenkratztern, viele davon im Bau.
Ganz verstanden haben wir auch nicht, wer dort wohnen soll. Aber einer unserer chinsischen Führer schilderte es so: Seine Eltern und seine drei Geschwister (das war vor der 1-Kind-Regel) lebten auf 50 qm. Heute , die Eltern leben nicht mehr, bewohnt jedes der vier Kinder so zwischen 80 und 120 qm.
In Xining ist nun ein für die Tibeter wichtiges Museum: Das medizinisch-tibetische Museum. Es zeigt Exponate der tibetischen Medizin aus Jahrtausenden. Die tibetische Medizin kennt über 2.500 Heilpflanzen und Arzneimittel tierischen Urspungs. Das Wissen wurde früher auf sogenannten Tangkas, Diagramme und Bilder auf Textilien gemalt, festgehalten.
In Xining befindet sich auch die Mercedes-Werkstatt, die ja Tonis Wohnmobil, das Wohnmobil unserer Tourguides und weitere Sprinter reparieren bzw. optimieren muss. Auch der Anlasser von Manis Servicemobil wurde von Bosch-China dorthin geliefert. Zumindestens das hat geklappt während die beiden erstgenannten Wohnmobile noch einige Tage auf die Ersatzteile aus Deutschland warten müssen und die dann nach der Reparatur uns nachfahren werden. Die heutige Maut betrug 10 €.

km 191 (11.797) , N 36.65810° , O 101.74211°




13.10.2017, Xiahe, Gansu, China
Es hätte so schön sein können. Eine gemütliche Fahrt durch eine einzigartige Bergwelt, so die Beschreibung. Aber der Wettergott hatte es heute anders gemeint und da halfen auch die vielen tibetischen Gebetsfahnen nicht. Es regnete und über 3.000 m schneite es.
Auf dem Weg waren einige tibetische Klöster aber unser heutiges Ziel, das Kloster Labrang in der Stadt Xiahe, ist eines der größten im tibetischen Buddhismus. Es hat rund 3.000 Mönche und Novizen und beherbergt 48 Tempelhallen auf 86.000 qm. Aber dazu morgen mehr.
Auf der Herfahrt haben wir einige Pässe mit mehr als 3.000 m überquert, der höchste mit 3.643 m. Auch gibt es in der Höhenlage so um die 3.000 m einige Dörfer und vor allem Herden von Yaks (Tibetische Grunzochsen) und Bergziegen.
Xiahe liegt fast 3.000 m hoch und das Stadtbild wird beherrscht von Mönchen, die in ihren weinroten Umhängen überall zu sehen sind. In der Stadt selber sind von den 100.000 Einwohnern 80 % Tibeter.

km 281 (12.269) , N 35.19355° , O 102.51187°




14.10.2017, Langmusi, Gansu, China
Heute morgen haben wir nun das Kloster Labrang besichtigt. Fotografieren ist im Außenbereich erlaubt, aber keine Innenaufnahmen sind gestattet. Ein junger Mönch erklärte das Kloster in englischer Sprache. Er legt viel Wert darauf, uns zu vermitteln, dass Buddhismus keine Religion im engeren Sinne sei, sondern eine Philosophie. Er warf Fragen auf wie "Was ist Glücklichsein" oder "Was ist Wahrheit". Leider war sein Englisch nicht so gut zu verstehen, so bleiben uns die Feinheiten seiner Auslegungen verborgen.
Am eindrucksvollsten war, wie wir hunderte Mönche in der Großen Gebetshalle, am Boden in langen Reihen im Schneidersitz kauernd, Gebete sprechend, sahen. Gonge und Trommeln waren im Hintergrund zu hören und die Stimmung war einfach ergreifend.
Nach der Besichtigung von Labrang fuhren wir weiter Richtung Süden über mehrere über 3.500 m hohe Pässe und heute war das Wetter nun ideal. Wir sahen abertausende von Yaks und Ziegen auf den Hängen weiden und auch die Zelte der Nomaden. Die Bergwelt war einfach sehr schön.
Unser heutiges Ziel, die Stadt Langmusi, liegt haarscharf an der Grenze zur Provinz Sichuan (auch Sezuan geschrieben; wir erinnern uns an Bertold Brechts "Der gute Mensch von Sezuan", hat aber mit Sezuan nur dem Namen nach etwas zu tun).
Auch Langmusi hat ein buddhistisches Kloster und mir persönlich hat die Klosteranlage in Langmusi sogar noch besser gefallen als in Labrang. Das, weil in Langmusi das Kloster nicht durch eine Mauer abgetrennt ist, sondern nur eine Art Stadtteil ist. Die Tempel stehen zwischen den Wohnhäusern der Mönche und man kann alles ohne Eintrittsgeld oder Verhaltensregeln besuchen. Die Mönche von Langmusi gehören auch einer anderen tibetischen-buddhistischen Lehre an.
Wir kamen gerade an der Tempelschule an, als die Schüler Pause hatten und es war interessant zu sehen, wie ungezwungen die Jungmönche herumtollten.

km 174 (12.443) , N 34.08770° , O 102.63226°




15.10.2017, Songfan, Sichuan, China
Heute morgen gab es Schnee und das Schneetreiben nahm fast die ganze Fahrt kein Ende. Wir fuhren gleich nach Langmusi in die Provinz Sichuan und die Straße wurde schlechter. Lag es an der großen Höhe (wir fuhren fast den ganzen Tag zwischen 3.500 m und 3.858 m Höhe) oder das in Sichuan generell die Landstraßen nicht so gut sind. Egal, wir kamen gut in Songfan an. Es liegt 3.000 m hoch und die Temperatur betrug 3 Grad.
Alle sehnen sich wieder nach Wärme und morgen soll es soweit sein: Wir fahren bis fast Chengdu und das liegt nur noch 520 m hoch.

km 174 (12.443) , N 32° 49.195, O 102° 39.138




16.10.2017, Dujiangyan, Sichuan, China
Planmäßig waren es zwar heute nur 272 km, aber die hatten es in sich.
Am Morgen haben wir noch Songfan besichtigt. Aber es ist doch zu sehr Disneyland als echte historische chinesische Altstadt, wie es angepriesen wird.
Die Landstraße 213, die sich bis zu unserem Ziel hinziehen sollte, kam von 3.000 m herunter bis auf 700 m Höhe, alles in einem Tal, dem Tal des Min-Flusses. Aber letzten August war hier bei Sichuan ein schweres Erdbeben und so gab es eine Umleitung auf die neue Autobahn, die schwer zu finden war (unser Navi kannte dies natürlich nicht). Dann hatten wir noch falsche Koordinaten bekommen die uns zurück auf die Landstraße 213 führte, die für 5 km völlig zerstört war und eine einzige Schlamm- und Schlaglochpiste war. Witzigerweise gab es am Ende, als wir wieder festen Asphalt erreichten, eine Art Waschstraße (Wasserdüsen rechts und links) wofür wir 5 Yuan (0,80 €) entrichten mussten.
Aber wir erreichten unser erstes Ziel heute, den Walmart in Dujiangyan, um 16:00 Uhr und konnten uns erwartungsfroh auf einen "westlichen" Supermarkt freuen. Aber nicht lange. Wir hatten uns zum Beispiel auf Käse gefreut, aber auch hier war Fehlanzeige.
Dann fuhren wir im Regen bei 15 Grad auf eine Art Campingplatz im Stadtgebiet von Dujiangyan. Dort baten uns die Betreiber des Campimgplatz für das Bild mit dem Poster (siehe oben) zu posieren. Die Schriftzeichen sollen Slogans sein wie "Lang lebe China", "Langes Leben", "Immer gute Fahrt" usw.. Das glauben wir jetzt einfach.

km 272 (12.937) , N 31.01926° , O 103.65475°




17.10.2017, Chengdu, Sichuan, China
Wir sind ja deshalb gestern nach Dujiangyan gefahren, weil es dort das Dujiangyan-Bewässerungssystem gibt (Weltkulturerbe). Dieses einzigartige System wurde bereits vor 2.200 Jahren (256 - 251 v.Chr) gebaut.
Es hat den Zweck, die Hochwasser des Min-Fluß zu bändigen und die Ebene um Chengdu (über 100 qkm) zu bewässern. So ist eine äußerst fruchtbare Landschaft entstanden, die den Aufstieg von Chengdu begünstigt hat, es wird das Rote Becken genannt. Das Bewässerungsystem ist so genial, weil es je nach Jahreszeit unterschiedliche Wassermengen steuern und Sedimente in den Bewässerungskanälen vermeiden kann. Das System wurde natürlich in den folgenden Jahrtausenden ständig verbessert, aber die Grundidee war schon hervorragend. So wurden zum Steuern der Wassermengen bereits Gabionen aus Bambuskäfigen und Steinen verwendet.
Wir haben die Hauptanlage am Morgen besichtigt. Sie ist in eine wundervolle Landschaft mit Gärten, Kunstwerken und Tempeln eingebettet und hatte auch heute, am Dienstag, riesige Besuchermassen.
Obwohl die aktuellen Temperaturen mit so 20 Grad es nicht vermuten lassen, wir sind bereits in den Subtropen mit entsprechender üppiger Vegetation.
Danach sind wir nach Chengdu gefahren, auf einen Campingplatz. Chengdu ist eine Megastadt mit 14 Millionen Einwohnern und eines der größten Wirtschaftszentren Westchinas. Früher war auch die Stadt Chongqing noch bei der Provinz Sichuan, aber diese ist nun unmittelbar der Regierung unterstellt. Die Stadt Chongqing ist die größte Stadt der Welt (so groß wie Österreich) und hat 30 Millionen Einwohner.
Der Campingplatz in Chengdu ist der größte Chinas und ist ab dem 20.10. Schauplatz der größten Campingmesse Chinas. Die Aufbauvorbereitungen waren in vollem Gang und das Management hatte uns zum Abendessen eingeladen. Es gab Feuertopf (Sichuan-Spezialität, wir nennen es "chinesisches Fondue"), aber mit einer Brühe mit Schafgedärmen, und gebratenen Hammel. Wir haben uns mit chinesischem Bier begnügt.
Dazu gab es dann Gesang und Tanz und wir bekammen auch noch so eine kleine Schatzkiste vom größten Campingreisen-Veranstalter Chinas mit Kappe, T-Shirt, Schlüsselanhänger usw.

km 38 (12.975) , N 30.80543° , O 103.81459°




18.10.2017, Chengdu, Sichuan, China
Heute war ein ereignisreicher langer Tag für uns. Es gibt ca. 1.600 Pandabären in China, davon 1.300 in freier Natur, hauptsächlich in Sichhuan. Aber für den Erhalt der Art wird viel getan und so gibt es mehrere Aufzuchtstationen, wo die anderen 300 Pandas gehalten werden. Die größte davon ist in Chengdu und diese haben wir heute morgen besucht.
Wie bisher immer für uns in China, wo was los ist, wurden wir mit riesigen Besuchermassen konfrontiert. Aber die Anlage umfasst 100.000 qm und so bekamen wir doch genügend Pandas zu Gesicht. Die ganze Anlage ist überwiegend mit Bambus bepflanzt, und das macht ja auch Sinn. Von den 100 Bambusarten in China sind 60 Arten potenzielle Nahrung für den Panda.
Pandas sind gute Baumkletterer, das konnten wir selbst beobachten. Die Jungen werden pinkfarbig geboren und erhalten erst nach ein paar Wochen ihre weiß-schwarze Färbung. Die Erwachsenen Panda sind faule Gesellen, aber den halbwüchsigen Pandas hätten wir den ganzen Tag bei ihren Raufereien zusehen können.
Wir waren heute zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen und es gab wieder Feuertopf. Aber wir bekamen eine vegetarische Variante und konnten uns sattessen. Wobei Fondue mit Stäbchen essen eine Herausforderung für uns ist.
Nach einem kleinen Altstadtbummel ging es dann weiter ins "Opernhaus". Man darf das nicht wörtlich nehmen, es ist eine Folkloreveranstaltung, wo natürlich auch mehrere Opernauschnitte gezeigt werden. Mehr wäre auch nicht auszuhalten. Der Gesang ist für unsere Ohren sehr schrill.
Zu den Besonderheiten der Sichuan Oper gehört der schnelle Kostüm- und Maskenwechsel auf offener Bühne. Und mit schnell ist wirklich ein Bruchteil einer Sekunde gemeint. Mit bloßem Auge ist der Trick nicht zu erkennen. Eine Fahne wird geschwenkt bzw. der Fächer vor dem Gesicht vorbeigezogen und schon ist es passiert.
Auf jeden Fall hat es allen gefallen und wir kehrten so um 21 Uhr auf den Campingplatz zurück.
Die Straßen in Chengdu sind sehr gepflegt und der Verkehr läuft unseres Erachtens gesitteter ab als in den anderen, von uns besuchten Städten. Trotzdem dauerte es wegen der schieren Größe der Stadt immer sehr lange um sich von einem Punkt zum anderen zu bewegen. Wir fuhren durch endlose Hochhausgebiete und Gewerbegebiete in denen alle deutschen Nobelmarken wie Porsche, BMW, Audi und natürlich Mercedes-Benz ihre Niederlassungen haben.



19.10.2017, Leshan, Sichuan, China
Bei nebeligem, aber warmen Wetter, verließen wir Chengdu. Das Wetter im Roten Becken soll ja sehr häufig so sein.
Wenn man sich die China-Karte anschaut, fahren wir seit einigen Tagen nur noch Südkurs. Das bleibt auch so, bis wir China verlassen. Aber diese Route trennt China in zwei Teile: der westliche Teil wird von 10% aller Chinesen (hier sind die Staatsbürger gemeint, nicht die Ethnien) bewohnt, im östlichen Teil wohnen dann also 90%.
Leshan, auch am Min-Fluß gelegen wie Chengdu, ist Standort des größten Stein-Buddahs der Welt. Dazu morgen mehr.

km 162 (13.137) , N 29.56558° , O 103.77110°




20.10.2017, Mt. Emei, Sichuan, China
Bereits um 8:00 Uhr sind wir vom Parkplatz am Min-Fluss zum Leshan-Buddah gelaufen. 2,5 km an einer sehr schön gestalteten Uferpromenade. Wie immer waren schon sehr viele Einheimische in der Anlage, die auch ein großer Publikumsmagnet ist. Hier kommen ja Buddhismus und Geschichte zusammen. Der Buddah wurde von 713 bis 803 n.Chr. aus dem Felsen gemeiselt, also 90 Jahre lang. Heute ist dieser größte Stein-Buddah der Welt natürlich auch Weltkulturerbe.
Ganz schön anstrengend für den frühen Morgen: Erst zum Haupt des Buddah hinauf, dann hinunter zu den Füßen und wieder zurück hinauf bevor es dann wieder herunterging. Der Buddah ist 71 m hoch.
Danach sind wir zum benachbarten Gebiet des Mount Emei gefahren. Hier sollte eine wundervolle Bergwelt zu sehen sein. Ist sie bestimmt auch, aber im Nebel war halt nichts zu sehen. Ferner ist der Mount Emei einer der heiligsten buddhistischen Berge.
In einem wunderschönen riesigen Ressort sind wir auf einen Campground gefahren und haben uns um Papierkram oder ähnliche Sachen bemüht.

km 71 (13.218) , N 29.58107° , O 103.25674°




21.10.2017, Xichang, Sichuan, China
Von den Schönheiten des Mt. Emei haben wir also wegen schlechtem Wetter nichts mitbekommen und mit schlechtem Wetter gings auch weiter südwärts. Auf der Autobahn G5 sind wir durch eine, bei gutem Wetter sicher geniessenswerte, Berglandschaft mit bis zu 2.400 m hohem Pass gefahren. Wieder haben wir die technisch aufwendige Autobahn bewundert, die sich durch km-lange Tunnel und km-lange Hochbrücken über das Gebirge schlängelt.
Allerdings haben wir auch 36 € Maut für so 350 km Autobahn bezahlt.
In Xichang sind wir auf einen Parkplatz gefahren und das war es für heute, denn es regnete in Strömen bei 15 Grad. Wir hatten uns das anders vorgestellt, sind wir doch mit 27 Grad nördlicher Breite fast am nördlichen Wendekreis (23,6 Grad). Aber Xichang liegt auch in 1.500 m Höhe.
Heute gab es auch einen weiteren Fahrzeugausfall. Ausgerechnet auf dieser langen und bergigen Etappe im Regen blieb Rudis und Rikes MAN mit Getriebeschaden liegen und musste von Manni abgeschleppt werden. Erst spät in der Nacht traf das Gespann in Xichang ein.

km 432 (13.650) , N 27.84818° , O 102.26772°




22.10.2017, Panzhihua, Sichuan, China
Das Regenwetter hielt an und im Nebel fuhren wir weiter nach Panzhihua. Es liegt ebenso hoch wie Xichang und deshalb ist es genauso kalt.
Der Campingplatz wäre an für sich ok, aber Außenaktivitäten sind im Regen nicht so fetzig.
Wir sind inzwischen drei Gruppen. Toni, Marthi und Gerd sind in Xining und warten immer noch auf Ersatzteile, die einfach nicht aus dem Zoll kommen. Manni und Susi ziehen inzwischen Rudi und Rike nach Kunming, der Provinzhauptstadt von Yunnan (10 Mio. Einwohner), um dort eine Werkstatt aufzususchen. Ihnen hat sich Rosemarie angeschlossen, die Leistungsverlust in ihrem Fahrzeug hat. Zu allem Übel fuhr bei Christian und Yvonne noch ein chinesischer Lieferwagen von hinten auf, aber gottseidank war der Schaden nicht so groß.
YongZhi, einer unserer chinesischen Führer, erklärte uns noch das chinesische Brettspiel Mayong. Es ist so eine Art Romée mit Spielsteinen.

km 218 (13.868) , N 26.51547° , O 101.77789°




23.10.2017, Yongsheng, Yunnan, China
Gleich nach Panzhihua, Richtung Westen, begann die Provinz Yunnan und einer der unangenehmsten Fahrtage bisher. Wir fuhren also auf der Autobahn G42 Richtung Lijiang, das wegen einer der schönsten Altstädte Chinas Weltkulturerbe ist.
Dass die Autobahn bald enden würde war uns bekannt, dass aber auch die S308, die Landstraße nach Lijiang, wegen eines Erdrutsches blockiert war, erfuhren wir erst auf der Straße per SMS. Wir sollten nördlich in die Berge fahren und dann zu unserem Zwischenziel Yongsheng wieder südlich zurück. Aber diese Straßen waren unseren zwei Navis nicht bekannt und so fuhren wir stundenlang durch Bergland im Nebel ohne Ahnung wo wir sind und wo wir hinfuhren. Leider gab es auch stundenlang keine Abzweigung oder einen Ort, wo man sich orientieren konnte.
Da die Straße, wenn man wegen der vielen Kurven von einer Richtung überhaupt ausgehen konnte, westwärts führte, konnten wir nur hoffen, dass wir auf dem richtigen Weg sind, denn die chinesischen Schriftzeichen waren für uns nicht lesbar.
Tatsächlich kamen wir um 16:00 Uhr in Yongsheng an, nachdem wir für die letzte üble Strecke von Zhanhe bis Yongsheng (50 km) 2 Stunden gebraucht hatten.
Aber unser Ziel war ja eigentlich Lijiang, was sich nochmal 100 km weiter befand. Inzwischen hatte sich herausgestellt, dass nicht alle Fahrzeuge durchgekommen waren und an unterschiedlichen Orten angesichts des sich neigenden Tages ihre Fahrt beendeten.
Wir sind jetzt, außer den reparaturbedürftigen Fahrzeugen in Xining und Kunming, in weitere drei Gruppen unfreiwillig aufgeteilt. Ingrid und Achim, die uns den ganzen Tag begleiteteten, und wir stehen an einer Tankstelle in Yongsheng und warten bis morgen. Vielleicht gibt es neue Erkenntnisse, wie es weitergeht.
Die gute Nachricht heute Abend war: Die Sonne kam heraus und es war ganz angenehm draußen. Yongsheng liegt auf der Yunnan Hochebene in 2.150 m Höhe.

km 243 (14.111) , N 26.69467° , O 100.74050°




24.10.2017, Lijiang, Yunnan, China
Die Weiterfahrt nach Lijiang verlief ohne Probleme wenn mann davon absieht, dass wir für die Strecke (123 km) fast 4 Stunden gebraucht haben. Das deshalb, weil es erst von 2.150 m auf 1.200 m herunterging und anschließend wieder auf 2.500 m nach oben. Das geschah jeweils mit sehr vielen Serpentinen.
Neben den Han-Chinesen (42 %) sind in Lijiang auch Naxi (20 %) und Yi (18 %) vertreten. Letztere sind tibetanischer Abstammmung.
Lijiang gilt in China als Stadt der Liebe und ist deshalb von sehr vielen chinesichen Touristen besucht. Auch bei Jugendlichen ist sie sehr beliebt, was wir am Abend in der Altstadt feststellen konnten. Eine Disco nach der anderen, die Fenster weitgeöffnet, erzeugten eine Kakophonie ohnegleichen.
Aber der Reihe nach: Wir parkten im Vorort Beifang nahe einer Naxi-Siedlung. Mit dem Bus sind wir dann in die Altstadt gefahren, die ziemlich groß ist. Die Häuser, meist Läden, Lokale und Hotels schmiegen sich an einen Hang und die Straßen werden von Wasserläufen begleitet. Alles sehr romatisch, aber auch sehr kommerziell.
Wir sind dann auf der höchsten Stelle des Hügels in eine Bar mit Aussicht auf die Dächer der Altstadt und die dahinterliegenden Berge gegangen. Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir dann wieder heruntergestiegen und das Bild hatte sich sehr gewandelt. Lautstarke Livemusik aus allen Lokalen und die jungen Chinesen hatten sichtlich ihren Spaß. Tanzgruppen in Folklore-Kleidung und Gogo-Girls heizten die Stimmung an. Dazu war die Altstadt festlich illuminiert.
Ungefähr die Hälfte unserer Truppe befindet sich nun wieder in Lijiang, die andere Hälfte hatte gestern den Weg nach Lijiang nicht gefunden, ist umgekeht und nach Kunming gefahren, wo wir am am 27.10. eintreffen werden.

km 123 (14.234) , N 26.95863° , O 100.21727°




25.10.2017, Dali, Yunnan, China
Südwärts haben wir heute Lijiang verlassen und sind auf toller Autobahn nach Dali gefahren. Wären wir nordwärts gefahren, wären wir nach Shangri-La gelangt. Dem legendären, eigentlich fiktiven Ort, der vom Schriftsteller James Hilton beschrieben wurde: Ein Kloster deren Bewohner in Weltabgeschiedenheit ein erfülltes Leben führen und auf eine Apokalypse für die Menschheit warten, deren Wissen und Kultur sie retten. Die chinesische Regierung hat den Ort, an dem der Roman handelt, identifiziert und tatsächlich das Gebiet "Shangri-La" benannt. Es liegt an einem Himalayapass in 3.500 m Höhe.
Wären wir westwärts gefahren, kämen wir nach Myanmar (Burma).
So aber sind wir nach Dali am Ohr-See gelangt und waren als erstes im Walmart. Der erste Weg führte zur Käsetheke und tatsächlich gab es in diesem Walmart Hart- und Weichkäse nach unserem Gusto.
Dali liegt 2.000 m hoch und die Nachmittagstemperatur betrug 21 Grad.

km 218 (14.452) , N 25.71909° , O 100.18530°




26.10.2017, Dali, Yunnan, China
Heute Nacht war anscheinend die Polizei am Campingplatz (so um Mitternacht, wir haben fest geschlafen) und wollte alle Fahrzeuge kontrollieren. YongZhi, einer unserer chinesischen Führer, konnte das noch mal abbiegen auf morgens 9:00 Uhr. Dann kam die Polizei und kontrollierte die Papiere unserer Fahrzeuge. Wie bereits früher erwähnt, liegt unsere Reiseroute nebst allen Übernachtungsplätzen und Kopien aller Papiere seit Monaten den chinesischen Behörden vor und wurde von denen auch so genehmigt. Manchmal dringt das aber zu übereifrigen lokalen Behörden nicht durch. Es stand auch im Raum, daß wir den Campingplatz verlassen sollten und zu einem "sicheren" Platz geleitet würden. Aber letzlich, alles war geprüft und fotografiert, durften wir bleiben.
Das Wetter war warm und und nach den kalten Tagen im Hochland war es schön in der Sonne zu sitzen und nebenher auch zu waschen und zu putzen. Letzteres war natürlich nicht schön, aber notwendig.
Gegen Abend sind wir auch noch in die Altstadt von Dali gefahren. Dali ist eine uralte Stadt (800 n. Chr. gegründet) an der Seidenstraße nach Birma. In der quadratische Altstadt sind noch alle vier Tore erhalten. Das Wahrzeichen der Stadt, die Drei Pagoden, liegen jedoch außerhalb des historischen Stadtkerns.
Dali ist ein sehr beliebtes chinesisches Touristenziel und 40 % des Bruttosozialprodukts hier werden durch den Tourismus generiert.
Verkehrsmäßig ist Dali (über 1 Million Einwohner) mit Flugzeug, Eisenbahn und Autobahn bestens angebunden.



27.10.2017, Kunming/Shilin (Steinwald), Yunnan, China
Heute wäre eigentlich eine einfache Autobahn-Etappe nach Kunming zu erwarten gewesen. Aber an der ersten Mautstelle wurden wir eine halbe Stunde aufgehalten, weil sich eine ganze Mannschaft von Bediensteten nicht über die richtige Einstufung unseres Fahrzeugs im klaren war. Bisher war das mit den von uns mitgeführten Papieren auf chinesisch anscheinend kein Problem, aber heute...
Dafür wurden wir auf dem Campingplatz herzlich empfangen und am Abend wurde sogar eine Tanzaufführung durch die örtliche Minderheit der Yi ("Schi" gesprochen) veranstaltet.
Wir sind ja jetzt wieder mit dem Rest der Gruppe vereint bis auf Toni, Marthi und Gerd, die in Xining auf die Reparatur ihrer Fahrzeuge warten und Rudi und Ricke, die dasselbe in Kunming (aber in der Werkstatt) machen.

km 394 (14.846) , N 24.83368° , O 103.33327°




28.10.2017, Kunming/Shilin (Steinwald), Yunnan, China
Shilin heißt wörtlich Steinwald und obwohl der Ort Shilin 80 km östlich von Kunming liegt, gehört er politisch gesehen zur Stadt Kunming. Eine in der Fläche gigantische Karstlandschaft wurde durch natürliche Erosion so geformt, daß skurrile Felsnadeln und Formationen entstanden sind. Der Steinwald ist Weltkulturerbe und liegt eingebettet in einer sehr schönen und gepflegten Parklandschaft.
Wie bei allen diesen Top-Sehenswürdigkeiten ist alles in riesigen Dimensionen angelegt und das ist angesichts der Menschenmassen, die täglich zu Besuch kommen, auch notwendig. Aber in dem riesigen Gelände gibt es auch stille Ecken und da kann man diese einmalige Naturerscheinung genießen.
Nachmittags sind wir dann mit dem Bus nach Kunming hineingefahren und haben zuerst den Walmart besucht, um uns für die folgende Zeit einzudecken. Danach sind wir noch über den Vogelmarkt geschlendert - gottseidank war das Angebot an Vögeln und anderen Tieren nicht so groß. Aber der Hauptzweck weswegen wir nach Kunming gefahren sind, war die Show am Abend, die als Folklore-Show angekündigt war (durch unsere Guides). Es war schon ein Feuerwerk an Tänzen, Gesang, Getrommle und sagenhaften Kostümen. Enorm war auch die Zahl der jeweils Mitwirkenden auf der Bühne. Mit Folklore im engeren Sinn hatte das Bühnenspektakel aber nur die Inspirationen gemein. Ansonsten war es einfach ein Schauspiel für Augen und Ohren, wenn auch der Gesang der Mädchen für uns eine Spur zu schrill war.



29.10.2017, Yuanyang, Yunnan, China
Laut unserer Reiseleitung war es heute eine einfache Strecke zu den Reisterrassen bei Yuanyang. Dass das Navi auf den letzten 40 km in den Bergen bei Yuanyang einen Totalausfall hatte, war nicht zu erwarten.
Wir brauchten 7 Stunden um die richtige Route zu finden, viele bis zu 10 Stunden. Dazu trug auch bei, dass die Straße, die direkt zum Stellplatz führte, wegen eines Bergrutsches gesperrt war. Man musste deshalb diese Stelle umfahren.
Ohne Navi und brauchbares Kartenmaterial.
Wir sind zu den Reisterrassen gefahren, weil diese, man ahnt es schon, Weltkulturerbe sind. Wegen der beginneneden Dunkelheit haben wir erst ein bisschen angeschaut. Morgen wollen wir mehr anschauen
Ganz unspektakulär sind wir heute bei N 23.43472° von Norden her über den Wendekreis des Krebs in die Tropen eingefahren. Die Chinesen sind verliebt in viele Schilder am Straßenrand, aber das hatten sie nicht gekennzeichnet.

km 265 (15.111) , N 23.12023° , O 102.73851°




30.10.2017, Pu'er, Yunnan, China
Leider wurde es mit der Besichtigung der berühmten Reisterrassen heute morgen nichts mehr. Das kam so: Wir müssen am 1. November China verlassen. Da die Route über die Berge auf der Landstraße, wie sich gezeigt hat, zu zeitaufwendig ist, wurde diese geändert und wir fuhren schnurstracks auf der Landstraße so 150 km bis zur Autobahn und dann weitere 200 km bis Pu'er. So haben wir uns der Grenze nach Laos bis auf 250 km genähert.
Aber auch so haben wir genug Reisterrassen gesehen und die herrliche Berglandschaft Südyunnans genossen. Später wechselten die Reisterrassen zu Teeterrassen und so war es nur logisch, dass wir auf einer Teeplantage unser Quartier bezogen. Diese Teeplantage lag in 1.300 m Höhe und die Temperatur lag nun bei angenehmen 24 Grad.

km 341 (15.452) , N 22.74192° , O 100.94838°




31.10.2017, Mohan, Yunnan, China
Heute morgen haben wir die Teeplantage besichtigt und den Tee verkostet. Jeder Tee, ob Grüner Tee oder Weißer Tee oder Roter Tee (so nennen die Chinesen den Tee, den wir Schwarztee nennen) stammt von der gleichen Teebaumart. Nur die Behandlung nach der Ernte macht den Unterschied. Je nach Grad der Fermentation (dadurch werden Gerbstoffe abgebaut) entsteht Grüner oder Schwarzer Tee. Grüner Tee ist zu 40 - 50 Prozent fermentiert, Schwarzer Tee zu 90 Prozent.
Der Tee aus dieser Region ist der Spitzentee von China. Der Teeanbau stammt übrigens von China und wurde von den angrenzenden Ländern z. B. Indien übernommen.
In China wird der Tee hauptsächlich zu diskusförmigen Scheiben gepresst und man bricht dann die gewünschte Menge ab, übergießt diese mit kaltem (abgekochten) Wasser oder lauwarmen Wasser.
Überraschenderweise sind diese Scheiben jahrelang haltbar und werden sogar noch besser. Wie beim Wein werden für alten Spitzentee horrende Preise bezahlt.
Ernte ist ganzjährig, aber der Frühjahrstee ist der Beste. Teebäume können 25 m hoch werden, aber auf den Plantagen werden sie zweckmäßigerweise auf Buschformat zurückgeschnitten. Nur die frischen Triebe werden geerntet.
Auf einer wieder sehr schönen neuen Autobahn sind wir dann nach Mohan gefahren, das liegt 5 km vor der Grenze nach Laos. Dort haben wir bei einem Abendessen unsere chinesischen Führer verabschiedet (Sie werden uns morgen natürlich noch bei den Grenzformalitäten helfen).
Bis auf Toni und Marthi sind wir alle wieder vollzählig. Deren Fahrzeug ist in Kunming und heute Abend sind die Ersatzteile vom Zoll aus Peking auch in Kunming eingetroffen. Es wurde eine Sondererlaubnis erwirkt, dass sie erst nach der erfolgten Reparatur ausreisen müssen und wir sie dann in Laos erwarten. Statt der bisher vorgesehenen 3 Tage Laos werden wir dort neun Tage sein. Unter anderem drei volle Tage in Luang Prabang (Laos), wo wir auf Toni und Marthi warten und uns gleichzeitig von den anstrengenden Tagen in China erholen können.

Wir waren jetzt gut einen Monat in China und haben 8.000 km zurückgelegt. Für dieses riesige Land nicht viel. Unser Eindruck war: Es gibt viele Chinas, die modernen riesigen Städte westlicher Prägung und das ländliche, manchmal noch archaische China. Die moderne Infrastruktur mit Autobahnen, Hochgeschwindigkeitszügen und Mobilfunk-Empfang überall. Dann wieder im ländlichen Bereich Straßen wie in einem dritte Welt Land.
China kann man ohne Übertreibung als Polizeistaat bezeichen. In der Provinz Xinjiang, dem Uigurengebiet, wo wir eingereist waren, ist dies unerträglich. Wir haben die Pässe in einer Woche mehr herzeigen müssen, als im ganzen Leben vorher. In den anderen Provinzen war das besser, im Schnitt vieleicht ein bis zweimal pro Tag. Aber auch da kann es mal eine halbe Stunde dauern, bis die Personalien in eine Kladde eingetragen sind und alle Papiere fotografiert sind. George Orwell hätte sich das System der Überwachungskameras nicht in seinen kühnsten Träumen so gigantisch vorstellen können, wie es in ganz China ist.
Individualreisen sind in China nicht möglich. Gruppenreisen (wie wir) nur mit Führer auf vorher genehmigter Route.
Autofahrer machen ihre praktische Führerscheinprüfung auf dem Verkehrsübungsplatz, wahrscheinlich ohne andere Verkehrsteilnehmer, denn auf der Straße fahren sie so, als wenn sie allein unterwegs wären. Vorfahrt gewähren, sich einordnen, blinken oder nachts mit Licht fahren, ist weitgehend unbekannt. Dafür wird vorgedrängelt, im Blindflug überholt und ganz wichtig: gehupt was das Zeug hält. Das Handy ist dabei stets in der linken Hand.
China, mit seiner jahrtausendalten Geschichte, hat andererseits einiges an Naturschönheiten und historischen Bauwerken zu bieten. In diesem Reisebericht steht ja einiges darüber. Auch die Menschen sind, sofern es sich nicht um Behördenvertreter handelt, offen und freundlich und ein Foto mit einer Langnase ist begehrt. Viele Jugendliche wollen ihre Englischkenntnisse ausprobieren und sprechen einen an.
Das Essen ist nicht nur wegen der Stäbchen gewöhnungsbedürftig (wir haben uns nicht daran gewöhnen können). Alles was uns lieb ist, ist in China gezuckert. Brot, Milch, Käse (wenn es einen gibt) und, wie uns erzählt wurde, auch die Wurst. Aber andere Länder, andere Sitten.
Was das Reisen in China, zumindest in unserem Fall mit dem Wohnmobil, so schwierig macht ist, dass die Behördenmitarbeiter nicht gewohnt sind, Entscheidungen zu treffen. Sei es an Polzeikontrollen oder Mautstellen, ständig wird ein vermeintliches Problem nach oben eskaliert und das kann dauern, wenn die Vorgesetzten nicht erreichbar sind. Dabei haben wir alle erforderlichen Papiere bereit, aber es passiert wahrscheinlich sehr sehr selten, dass Langnasen im eigenen Fahrzeug auftauchen und da will man nichts falsch machen: Also alles notieren und dokumentieren. Aber dass kein falscher Eindruck entsteht: Wir wurden immer außerordentlich korrekt behandelt. Aber für uns Schengen-verwöhnte Europäer ist das alles sehr ätzend.


km 257 (15.679) , N 21.21390° , O 101.70977°







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