2018
Reiseseiten von Leo und Rita

Februar 2018


01.02.2018, Mumbai, Maharashtra, Indien
Am Morgen sind wir heute erst zum Janjira Fort gefahren. Es ist dafür bekannt, dass es wiederholten Angriffen der Portugiesen, der Holländer, der Ostindischen Gesellschaft und anderen widerstanden hat.
Um das Fort bestand das Fürstentum Janjira bis 1948 (!). Nach der indischen Unabhängigkeit (1948) und dem Ende des Fürstentums wurde das Fort geplündert und erheblich demoliert.
Gebaut wurde es in seiner jetzigen Anlage Ende des 16. Jahrhunderts. Bemerkenswert ist, dass auf der Insel, die vom Fort vollständig eingenommen wird, zwei artesische Süßwasserquellen vorhanden sind, die die Existenz des Forts, dass auch Residenz des Fürsten war, erst ermöglichten.
Nur mit Booten ist der Besuch des Forts möglich und so fuhren wir zuerst mit einem Motorboot vor das Fort und stiegen dann in ein kleineres Boot zum Anlegen um.
Die Weiterfahrt nach Mumbai war verkehrstechnisch sehr zäh und es war schon 15:30 Uhr, als wir in Mumbai am Nature Fun Resort ankamen. Genau genommen sind wir noch ein gutes Stück (70 km) vom Zentrum entfernt. Wir wollten uns den Verkehr und den Smog nicht antun. Mumbai hat mehr als 20 Mio. Einwohner und die größten Slums der Welt. Gleichzeitig ist es das Wirtschaftszentrum Indiens.


km 107 (27.711) , N 18.86355°, O 73.27954°




02.02.2018, Mumbai, Maharashtra, Indien
Unsere Besichtigung Mumbais erfordert erst mal eine lange Anfahrt. Mehr als 2,5 Stunden fuhren wir durch ausgedehnte Vorstädte und Slums.
Unser Besuch musste sich auf ein paar Highlights beschränken, weil auch der Verkehr zwischen den einzelnen Punkten mörderisch ist.
Das Wäscherviertel ist in dieser Form einmalig. 1.000 Männer waschen hier tagaus tagein die Wäsche von Hotels, Krankenhäusern usw. in Handarbeit. Das ist insoweit bemerkenswert, weil Wäsche waschen normalerweise Frauensache in Indien ist. Wie sauber die Wäsche, die im gigantischen Smog von Mumbai getrocknet wird, tatsächlich wird, bleibt dahingestellt.
Die hängenden Gärten sind ein überdachtes Wasserreservoir, das vor 200 Jahren angelegt wurde. Überdacht wurde es deshalb, weil hier in der Nähe die Türme des Schweigens sind. Noch heute legen die Parsen (eine kleine Minderheit in Mumbai), ursprünglich aus Persien, ihre Toten auf Türme, um sie den Adlern und Geiern zum Fraß zu geben. Dabei fallen manchmal Teile auf den Boden und deshalb ist das Reservoir überdacht.
Das Gandhi Museum war das ehemalige Wohnhaus Gandhis von 1917-1934. Hier predigte er sein Dogma vom gewaltlosen Widerstand gegen die Briten. Seine asketische Lebensweise spiegelt sich im erhaltenen Arbeitszimmer wieder. Gandhis Leben wurde, auch eine Ironie der Geschichte, ja gewaltsam beendet. Kurz nach der erreichten indischen Unabhängigkeit wurde er von einem Hindu-Fanatiker erschossen (1948).
Gateway of India und die Kolonialbauten der alten City waren die weiteren Stationen.
Der Heimweg war lang. Zuerst sind wir noch in einen Supermarkt gefahren der europäischen Käse hatte. Dann, es war schon lang dunkel, verfuhr sich unser Busfahrer, was nochmal eine Stunde uns gekostet hat.
Gestern sind bereits Thomas und Klara mit ihrem reparierten Sprinter eingetroffen. Peter und Rosmarie sind ebenfalls aus der Schweiz wieder zurück und bei uns am Platz mit ihren Fahrzeugen.



03.02.2018, Mumbai, Maharashtra, Indien
Nach dem gestrigen Tag war erst mal Pause angesagt. In und um das Fahrzeug gibt es auch immer eine Menge zu tun und Erholung für die künftigen Etappen sollte auch nicht zu kurz kommen.
Unsere indischen Guides haben heute für uns indisch gekocht und wir durften die Zuarbeit machen.
 
 
 
 


04.02.2018, Nähe Ahmadnagar, Maharashtra, Indien
Unser nächstes Highlight sind ja die Ellora-Höhlen (Weltkulturerbe), eine der meistbesuchtesten Sehenswürdigkeiten Indiens.
Die erste Etappe zu den Höhlen haben wir heute zurückgelegt und haben dann an einem Stausee in der Nähe von Ahmadnagar für die Nacht geparkt. Wir sind nun auf 600 m Seehöhe, aber der Hitze sind wir nicht entkommen. Seit Wochen scheint die Sonne täglich vom wolkenlosen Himmel und man kann sich vorstellen, dass im Mai die Hitze unerträglich ist. Dann beginnt der Monsun.

km 198 (27.909) , N 19.20045°, O 74.76202°




05.02.2018, Ellora-Höhlen, Maharashtra, Indien
Heute, man muss das auch mal sagen, war die Straße auf der ganzen Strecke tadellos. So hatten wir genug Zeit, en passant auch die Festung Daulatabad zu besteigen. Daulatabad heißt "Stadt des Reichtums" und der Granitfelsen, auf dem das Fort ist, wird Devagiri (Götterberg) genannt.
An wichtigen Handelsrouten gelegen war die Stadt Daulatabad strategisch wichtig und wurde deshalb durch das Fort auf dem Felsen geschützt. Es ist nahezu uneinnehmbar, weil es durch Mauern und Gräben und den abgefasten Felsen umgeben ist. Nur durch einen relativ schmalen Tunnel kann der obere Burgberg erreicht werden.
Es war durchaus eine sportliche Angelegenheit dort am Morgen hinaufzusteigen.
Wir sind dann noch wenige km weitergefahren bis Ellora, wo die Höhlen auf uns warteten. Die Ellora-Höhlen, der Name ist etwas irreführend, weil es eigentlich aus dem Felsen herausgeschlagene Tempel sind, wurden zwischen dem 5. und 11. Jahrhundert erschlagen (wenn man bei Gebäuden erbaut sagt, muss man hier wohl erschlagen sagen).
34 buddhistische, hinduistische und jainistische (eine indische Religion, auf dem Buddhismus basierend) Tempelhöhlen umfasst die Anlage.
Von den vielen Tempeln haben wir nur sechs besucht (10,12,26,31,32,33). Kaum zu glauben dass bei manchen Anlagen 150 Jahre gearbeitet wurde. Die äußere Ansicht ist bei fast allen sehr bescheiden, aber es gibt meist riesige Säle die in die Tiefe des Fels (Basalt) gehauen wurden.
Beim schönsten Tempel, dem Kailasa Tempel (Nr. 16), wurde der Felsen von oben abgemeiselt und nur die später als "Gebäude" erscheinenden Tempel wurden "stehengelassen". Diese Planung und Technik ist schier unbegreiflich. Der Tempel besteht also aus einem einzigen Stück Fels.
Die verschiedenen Glaubensrichtungen können wir kaum im Bezug auf den Baustil unterscheiden. Auch, wie bereits schon mal erwähnt, erschließt sich uns die Mystik der Götter und deren Genealogie nicht (bei den Hindus soll es 1,3 Mio. Götter und Heilige geben). Auf jeden Fall ist jede Figur mit Symbolik behaftet und nicht nur dekorativen Zwecks. Alles in allem sind die Ellora-Höhlen sicherlich zurecht Weltkulturerbe. Leider waren die muslimischen Eroberer im 15. Jahrhundert nicht kunstsachverständig und haben an den Figuren viel zerstört. Man entweiht eine Figur, indem man ihr Gesicht zerstört und die Arme abschlägt.

km 121 (28.030) , N 20.02348°, O 75.17435°




06.02.2018, Ajanta Caves, Maharashtra, Indien
Was im allgemeinen zu den Ellora-Höhlen zu sagen war, gilt auch für die Ajanta-Höhlen (auch Weltkulturerbe), die wir heute besuchten. Allerdings war die Bauzeit dieser rein buddhistischen Höhlen vom 2. Jahrhundert vor Christus bis zum Ende des 7. Jahrhunderts nach Christus.
Nach dem temporären Niedergang des Buddhismus in Indien im 8. Jahrhundert gerieten die Höhlen in Vergessenheit. 1819, während einer Tigerjagd, entdeckte der britische Kavallerieoffizier John Smith die Höhlen wieder. Es sind 29 an der Zahl.
Da die Höhlen über 1.000 Jahre lang "vergessen" waren, sind sie auch nicht zerstört worden und der ursprüngliche Wandschmuck ist weitgehend erhalten. Eher der Tourismus ist für Zerstörungen durch hohe Luftfeuchtigkeit und Licht verantwortlich. Plexiglasverkleidungen und Geländer sind inzwischen zum Schutz der Wandmalereien angebracht worden.
Wegen dieses Wandschmucks erscheinen die Ajanta-Höhlen noch großartiger als die Ellora-Höhlen und wir waren, trotz einer gewissen Tempelmüdigkeit, doch schwer beeindruckt. Sind doch bereits damals bemerkenswerte Kunstwerke entstanden, während unsere Vorfahren in Europa damals noch in den Wäldern lebten.


km 102 (28.132) , N 20.58745°, O 75.73149°




07.02.2018, Omkareshwar, Madhya Pradesh, Indien
Lange Fahrt heute mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h über die Landstraßen von Maharashtra und Madhya Pradesh. In Indien ist jede Fahrt Überland ein Abenteuer für sich. Mindestens zwei bis dreimal am Tag wird man von Überholern im Gegenverkehr gezwungen, bis zum Stillstand abzubremsen und zu hoffen, daß der Inder noch einscheren kann.
Volker Hamacher, der Herausgeber des "Allradler Magazins", hat erst heute in einem Interview mit der "WELT" auf die Frage "Wo leben Weltenbummler besondes gefährlich?" gesagt:
"Unter Reisenden gilt Indien als die Fahrprüfung für Weltenbummler schlechthin. Man sagt, wer dort heil durch die Innenstädte kommt, schafft es überall auf der Welt. Selbst ein gut vorbereiteter Deutscher im rundum ausgestatteten Wohnmobil wird es nicht mit einem indischen Kamikaze-Fahrer aufnehmen können. Da hilft nur Demut und Gottvertrauen."

Der Bundesstaat Madhya Pradesh ist ein Kernland indischer Kultur und besonders reich an kulturellen Hinterlassenschaften. Der Ort Omkareshwar, am Fluss Narmada, ist einer der bedeutendsten Pilgerorte Indiens. Hier befindet sich einer der 12 heiligsten Shiva-Tempel Indiens. Das Ufer des Narmada Flusse ist im Bereich des Ortes terrassenförmig gestaltet, so dass tausende von Pilger an den großen hinduistischen Festen gleichzeitig zum Wasser können.
Heute waren nur wenige Pilger vor Ort. Wir parkten zwischen zwei Terrassen. Unweit davon war auch der Verbrennungsplatz für die Gestorbenen.
Kostya befindet sich ja schon seit zwei Tagen in Kalkutta, um die Zollprobleme zu lösen, die die Auslieferung der neuen Getriebeteile von Jürgen und Ines verhindern. Seit über vier Wochen hängen diese Teile im Zoll in Kalkutta und müssen nach Freigabe noch nach Guwahati transportiert werden, wo Jürgen und Ines hängen. Es ist ein Trauerspiel.

km 235 (28.367) , N 22.248455°, O 76.14071°




08.02.2018, Mandu, Madhya Pradesh, Indien
Mandu ist eine mittelalterliche Stadt in der Nähe von Indore. Auf unserem Weg Richtung Norden haben wir heute hierher einen Abstecher gemacht. Im 15. und 16. Jahrhundert war die Blütezeit des Sultanats Malwa und dessen Hauptstadt Mandu. Die Stadtmauer umfasste 70 km (!), aber heute sind nur noch wenige Paläste, Grabmäler und Moscheen erhalten.
Diese zeigen jedoch, welche Pracht in dieser Hochebene vorhanden war. Trotz der wasserarmen Lage wurden durch Regenwasser 12 künstliche Seen und unzählige Wasserbecken gespeist.
Das Grabmal des Hoshang Shah diente gar als Vorbild für das Taj Mahal.
Mandu heißt "Stadt der Wonnen", weil einer der Sultane, Ghiyas-ud-din, einen riesigen Harem hatte (es sollen mehrere tausend Frauen gewesen sein, unser Führer sprach sogar von 15.000).
Auch die Lage der Stadt an einem Bergrand mit weitem Blick über das Land ist schön.
Leider konnten nicht alle an der Besichtigung teilnehmen. Unser Teamfahrzeug musste wieder repariert werden und Rudi hatte eine Panne und musste ebenfalls Hilfe in Anspruch nehmen.
Dafür gab es aus Kalkutta die gute Nachricht, dass die Ersatzteile von Jürgen und Ines aus dem Zoll sind und auf den Transport nach Guwahati warten.

km 107 (28.474) , N 22.34922°, O 75.39131°




09.02.2018, Nähe Neemuch, Madhya Pradesh, Indien
Heute haben wir die Tropen unspektakulär verlassen auf unserem Weg Richtung Norden. Wir sind jetzt wieder in Nordindien und werden morgen Udaipur in Rajasthan erreichen. Rajasthan ist der meistbesuchteste Bundesstaat und Udaipur eine der meistbesuchtesten Städte Indiens.
Unser heutiges Ziel, ein Acker bei Neemuch, ist ein technischer Stop. Es gibt nichts zu sehen und keine Infrastruktur. Wir übernachten hier, weil die Strecke sonst zu lang wäre.

km 253 (28.727) , N 24.47062°, O 74.92084°




10.02.2018, Udaipur, Rajasthan, Indien
Letzte Nacht hat uns noch die Polizei besucht. Sie kontrollierte unsere Pässe und zu unserem Schutz mussten 4 bewaffnete Polizisten uns die Nacht über bewachen. Nun war es ziemlich kalt auf unserem Acker und die Polizisten zündeten Feuer an um sich etwas zu wärmen. Angeblich sei dies ein ziemlich unsichere Gegend wegen der Kriminalität.
Uns machte diese Angelegenheit nichts aus und wir fuhren am Morgen nach Udaipur.
Den Nachmittag nutzen wir am Resort in Udaipur zum relaxen und am Abend lud uns Kostya zum "Bergfest" ein, das wohl zeitlich nicht ganz stimmt, aber terminlich heute reingepasst hat. Unsere Reise ist ja für rund 330 Tage avisiert, wir haben aber erst 163 Tage seit Riga absolviert. Auf jeden Fall hatten wir einen angenehmen Abend im Restaurant am See. Kostya reflektierte die zurückgelegt Reise im Stil einer Büttenrede, er ist ja aus Mainz und heute war Faschingssamstag.

km 135 (28.862) , N 24.59178°, O 73.66343°




11.02.2018, Udaipur, Rajasthan, Indien
Langer Besichtigungstag heute in Udaipur. Aber es hat sich gelohnt.
Im Stadtpalast, der Residenz der Maharanas von Udaipur, haben wir schnell festgestellt, dass Udaipur einer der populärsten touristischen Orte Indiens ist. Denn im Stadtpalast konnten wir uns wegen der vielen Besucher aus aller Welt nur langsam durch die einzelnen Räume bewegen. Und davon gab es reichlich.
Die Maharanas von Udaipur waren Herrscher im Stadtpalast vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. 1971 wurden die Maharadschas und Maharanas in Indien ihrer Titel beraubt (aber nicht ihrer Mittel) und so sind sie nach wie vor in ihren riesigen Palästen und regieren dort weiter, wenn man dem Sprichwort glaubt: Geld regiert die Welt.
Im Lake Palace, im Pichola See vor dem Stadtpalast erbaut, verkehren heute Luxusgäste, denn es ist nun ein Hotel. Der Monsoon Palace wird auch nicht mehr gebraucht, aber von dem gigantischen Stadtpalast nutzt der "Maharana" immer noch ein gutes Viertel.
Am schönsten war die abendliche Bootsfahrt auf dem Lake Pichola, wo man den Stadtpalast vom Wasser im gebührenden Abstand bestaunen konnte (wenn man davorsteht hat man keinen Überblick).



12.02.2018, Udaipur, Rajasthan, Indien
Heute war ein "Erholungstag" eingeplant. Aber weil es im Resort gutes zugängliches Wasser gab und auch eine betonierte Fläche, wurde der Tag allgemein zum Putz- und Waschtag genutzt. Aber auch gesellschaftlich war was geboten: Frank hatte Geburtstag und abends gab es noch ein Abendessen im Freien. Witzig: Frank schenkte u.a. Bier der indischen Marke Kotsberg aus (es sollte wohl deutsch klingen, auch der Slogan "Das beste Bier der Stadt" war in deutsch aufgedruckt). Aber diese Namenswahl war wohl nicht so glücklich.
Nach dem Abendessen haben wir noch den Film "Der Tiger von Eschnapur" (aus dem Jahr 1959 mit Paul Hubschmid) angeschaut. Der Stadtpalast von Udaipur ist im Film der Palast des (fiktiven) Maharadschas von Eschnapur.



13.02.2018, Ranakpur, Rajasthan, Indien
Die Tempelanlage in Ranakpur aus dem 15. Jahrhundert gehören zu den größten und schönsten Tempelanlagen der Jainas in Indien. So war die Ankündigung.
Die Wirklichkeit hat die Ankündigung noch übertroffen. Der Tempel gehört für uns, und wir haben schon viel gesehen, zur obersten Liga der Kulturschätze der Welt.
Völlig aus Marmor erbaut, mit einem Grundriss von 66 x 68 Meter, wird der Haupttempel von 24 kleineren Tempeln umrahmt. Alles ruht auf 1.444 Säulen, jeweils individuell gestaltet.
Auch im Jainismus gibte es eine Menge von Göttern und Lehrern, die sich in den Motiven widerspiegeln, die wir aber nicht verstehen. Aber die kunsthandwerkliche Fertigkeit verstehen wir wohl.
Mit Jeeps sind wir von dem Resort, wo wir stehen, 15 km zum Tempel gefahren. Dort herrscht eine rigide Kleiderordnung, so dass wir uns mit Überhosen verkleiden mussten. Der Tempel ist ja noch ein Heiligtum der Jain.

km 70 (28.932) , N 25.02269°, O 73.42432°




14.02.2018, Jodhpur, Rajasthan, Indien
Jodhpur, mit über 1 Mio. Einwohner, wird die "Blaue Stadt" genannt. Aber dazu morgen mehr.

Sie töten keine Tiere, sie fällen keinen Baum: Die Bishnoi in Indiens Thar-Wüste leben glücklich und zufrieden im Einklang mit der Natur. So werden die Bishnoi gerne beschreiben und diese haben wir heute besucht. Eine hinduistische Sekte, die streng lakto-vegetarisch lebt und sich 29 Gebote (Bishnoi heißt 29) auferlegt hat.
Einige davon lauten: "Großmütige und achtungsvolle Beziehung zwischen Frau und Mann", "Töte niemals ein Tier, egal wie klein es ist", "Iss niemals Fleisch", "Denke, bevor du sprichst", "Kritisiere nicht ohne Grund", "Habe Mitgefühl mit allem, was lebt", "Fälle niemals einen Baum, beschneide keinen grünenden Ast" usw.
Das hört sich ja alles gut an, aber der Religionsstifter vor über 1.000 Jahren hat nicht bedacht, dass auch mal Plastikabfälle und Glasscherben die Natur schädigen können und so sehen die Bishnoidörfer wie alle indischen Dörfer aus: Müllhalden rechts und links der Straße und im Fluss, von heiler Natur nichts zu sehen.
Wir haben eine Töpferwerkstatt, eine Teppichweberei und ein Gehöft besucht. Alles in allem hat sich die lange Jeepfahrt über Land nicht gelohnt.

km 170 (29.102) , N 26.25298°, O 72.94167°




15.02.2018, bei Balotra, Rajasthan, Indien
Den Vormittag über haben wir die Festung Meherangarth und das benachbarte Mausoleum Jaswant Thada besucht. Zu mehr hat die Zeit nicht gereicht. Die Festung aus dem 15. Jahrhundert ist wieder, wie in Udaipur, sehr eindrucksvoll. Sie wurde auch, obwohl vielfach probiert, im Krieg nie erobert.
Sie ist vielleicht noch prächtiger ausgestattet wie in Udaipur, aber wer will schon da vergleichen. Man hat einen tollen Blick auf die blaue Stadt, wenngleich auch nicht sehr viele Häuser im klassischen Indigoblau bemalt sind. Früher war diese Farbe nur den Brahmanen, einer höheren Kaste, vorbehalten.
Umgeben ist das Fort von einer 10 km langen Mauer, die sich, wie die chinesische Mauer, über die Hügel schlängelt.
Von der Festung hat man einen Blick auf das Mausoleum Jaswant Thada, das zwar erst 1895 für den verstorbenen Majaradscha Jaswant Singh II erbaut wurde. Aber der Bau aus weißem Marmor schließt sich in der Pracht an die berühmten alten Grabmale wie Taj Mahal und Hoshang Shah (Mandu) an.
Wir sind dann weitergefahren bis in die Nähe von Balotra, wo einer unserer Guides, Sumer, herstammt. Es ist ein Farmgelände das Sumers Vater gehört. Hier am Rande der Tahr-Wüste ist das Land ziemlich trocken.
Es wurde eine Ziege geschlachtet und Brot gebacken für uns. Allerdings zog sich das ganze so hin, bis nach 21:00 Uhr, dass vielen der Appetit schon vergangen war. Uns sowiso.
Aber es war schon schön, unter dem funkelnden Sternenhimmel hier draußen eine Weile zu sitzen.

km 121 (29.223) , N 25.62463°, O 72.27374°




16.02.2018, Jaisalmer, Rajasthan, Indien
Jaisalmer wiederum wird die "gelbe Stadt" genannt, weil hier ockerfarbener Sandstein verbaut wird. Wir sind ja hier in der Thar-Wüste, die bis Pakistan reicht.
Die heutige Fahrt war für einige recht strapaziös, weil die Navis heute nicht so gut funktionierten. Wir aber sind gut durchgekommen und konnten den Pool im Innenhof genießen. Wir sind zwar schon ein ganzes Stück in Nordindien, aber die Tage sind heiß und die Nächte kalt.
Sehr gute Nachricht aus Guwahati: Jürgen und Ines können wieder fahren und werden in einigen Tagen zu uns stoßen.

km 254 (29.477) , N 26.91769°, O 70.94720°


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17.02.2018, Jaisalmer, Rajasthan, Indien
Am Morgen haben wir Jaisalmer besucht. Die Festung, die eine kleine Stadt für sich war und ist und die Unterstadt. Leider war die Besichtigung wegen des ständigen Moped und Tuk-Tuk Verkehrs kein Vergnügen. Nicht dass sie einen schier über den Haufen fahren, sondern weil ein ständiges hupen einhergeht. Dazu der penetrante Pissegeruch wegen der ganzen Kuhherden in der Stadt.
Auch die "Gärten" von Bada-Bagh waren nicht das was wir erwarteten. Ein paar Mangobäume in einer Senke und eine große Menge an Chatris auf einem Hügel.
Zur Wüste gehört auch ein Kamelritt und so fuhren wir am Abend zum Sonnenuntergang eine Stunde hinaus in die Wüste (mit dem Bus). Die Kamele warteten schon und so ritten wir so eine Stunde über die Sanddünen. Am Besten danach war noch das kalte Bier im Camp, wo hingegen die "Folkloreshow" eher mittelmäßig war. Aber das Kamelreiten hatte Spaß gemacht. Da wir morgen nur eine kleinere Etappe zu fahren haben, freuten wir uns auf das Ausschlafen.

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18.02.2018, bei Phalodi, Rajasthan, Indien
Wir sind heute an ein Wasserloch in der Wüste ein paar km nach Phalodi gefahren. Das besondere dort sind die Jungfern-Kraniche, die hier überwintern bzw. das Wasserloch zum Trinken aufsuchen. Wir hatten Glück als wir ankamen - sie waren gerade da, was mit einem lautstarkem Geschnatter einher ging.
Die Umgebung von Phalodi ist das Winterquartier dieser aus der Mongolei und Sibiren stammenden Kranichart. Am Abend verlassen sie das Wasserloch und ziehen zu Schlafplätzen in der Wüste. Hunderte sind im Tiefflug über uns weggezogen.

km 160 (29.637) , N 27.14121°, O 72.41856°


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19.02.2018, Deshnok, Rajasthan, Indien
In Deshnok liegt der berühmte Karni-Mati-Tempel, besser bekannt als der Rattentempel. Karni Mati soll im 14. oder 15. Jahrhundert gelebt haben und vertrat die Lehre, dass die verstorbenen Seelen als Ratten weiterleben und nach dem Rattenleben als Barden (fahrende Sänger) wiedergeboren würden. Also sind die Ratten im Tempel die kürzlich Verstorbenen und werden deshalb gehegt und gepflegt. Gläubige essen und trinken gar aus den Töpfen, die für die Ratten bereitgestellt werden.
Also es war schon eine Überwindung in diesen Tempel zu gehen, nicht wegen der Ratten an für sich, sondern wegen des bestialischen Gestanks und des Kots auf dem Boden. Es sollen 20.000 Ratten sein, die den Tempel bevölkern. Wir sind nicht barfuß in den Tempel, sondern haben uns Socken übergezogen, die wir nachher entsorgten.
Völlig unfassbar für uns, sich in diesen Glauben hineinzuversetzen.
Ratten außerhalb des Tempels werden übrigens gejagt und gefangen und weiter weg wieder ausgesetzt.

km 163 (29.800) , N 27.78636°, O 73.32239°




20.02.2018, Pushkar, Rajasthan, Indien
Auf dem Weg nach Pushkar sind wir in Nagaur zum Krankenhaus für Kühe abgebogen. Es ist eine Anstalt mit einem Einzugsbereich über mehrere Bundesstaaten und kranke oder verletze Kühe, aber auch andere Tiere, werden hierher zur Genesung oder zur Pflege bis zu derer Tod gebracht.
Wieder können wir der indischen Vorstellungswelt nicht folgen, sind vielmehr erschrocken wie zum Beispiel krebskranke Kühe mit riesigen Wucherungen (nicht alles habe wir fotografiert) nicht von ihrem Leiden erlöst, sondern bis zum natürlichen Tod "gepflegt" werden. Sie werden angeblich auch medikamentös versorgt, aber ob dies auch Schmerzlinderung umfasst, ist nicht klar.
Angefahrene Kühe mit amputierten Beinen werden nach ihrer Wundversorgung auf eine Pflegefarm verbracht.
Häufig werden auch Kühe operiert, um zum Beispiel Plastikteile aus ihren Mägen zu holen. Wir fragen uns, warum nicht am Beginn angesetzt wird: Müllhalden sind keine Kuhweide.
Es war keine erquickliche Besichtigung und wir sind dann weitergefahren bis in die Nähe von Pushkar. Aber dazu morgen mehr.

km 242 (30.042) , N 26.52926°, O 74.66160°




21.02.2018, Pushkar, Rajasthan, Indien
Pushkar ist einer der heiligsten Hinduorte Indiens und viele Pilger kommen hierher. Der Brahma-Tempel ist der wichtigste in ganz Indien. Im Tempel ist fotografieren verboten, deshalb keine Bilder.
Fast noch bedeutender als der Brahma-Tempel ist der Puschkar-See, dessen religiöse Bedeutung genauso so groß ist, wie die des Ganges. Auch Teile der Asche Mahatma Gandhis wurden im Puschkar-See verstreut. Ein Bad im See ist ein Höhepunkt jeder Pilgerreise. Der See ist künstlich angelegt worden, angeblich schon vor 2.500 Jahren.
In Puschkar findet im November der größe Kamelmarkt der Welt statt, der Ort liegt ja auch noch am Rande der Thar-Wüste. Deshalb und wegen der Pilger ist der Tourismus die größe Einnahmequelle der Einwohner.









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